Jordanien 2025
- behrmannholger
- 8. Juni
- 27 Min. Lesezeit

Frankfurt – Amman Flug RJ126 um 16:05 mit Royal Jordanian.
RJ fliegt uns direkt von FRA nach AMM und das sprichwörtlich, denn wir dürfen Israel aufgrund des Überflugabkommens zwischen Jordanien und Israel überfliegen. Pünktlich am Abend erreichen wir die Hauptstadt und werden beim Verlassen des Fliegers von der Reiseleitung in Grüppchen aufgeteilt und Richtung Einreise geleitet.

Dort müssen wir alle unsere Pässe abgeben und werden an den normalen Einreiseschaltern vorbeigeführt direkt zum Kofferband. Die RJ-Flieger kommen aus verschiedenen europäischen Städten fast alle zeitgleich an und somit ist dort einiges los. Das Gepäck ist irgendwann da und alle stehen wartend herum, da der Mann von vorhin mit den Pässen verschwunden ist. Dann kommen immer wieder Reiseleiter mit Bergen von Pässen und verteilen diese zwischen den Wartenden. Nur unsere Pässe lassen auf sich warten. Der Ankunftsbereich leer sich.

Nach 1,5 Stunden Warterei kommt auch unser Mann mit den Dokumenten. Wieder werden wild Namen aufgerufen und die Reisepässe verteilt. Alle haben einen Stempel bekommen, obwohl keiner von uns je einen Beamten oder Automaten zur Verifizierung gesehen hat. Danach werden wieder andere Gruppen gebildet und es geht los zum bereits wartenden Bus. Dieser fährt uns zu unserem Hotel. Während der Fahrt stellt sich unser Reiseleiter Karim vor und erklärt grob das Programm der nächsten Tage und explizit das von morgen. Mittlerweile ist es weit nach Mitternacht aber alle bekommen im MENA Tyche Hotel noch Getränke und warmes Essen am Buffet. Sehr löblich. Um 2 Uhr fallen wir in die Betten.
Amman-Gerasa (Jerash)-Amman
Nach kurzer Nacht stehen wir um 8 Uhr auf. Gut haben wir geschlafen.

Unser Zimmer im 6. Stock bietet einen schönen Ausblick auf Amman. Wir machen uns wieder auf den Weg zum Buffet. Diesmal in Frühstücksform. Ein leckeres Angebot aus lokalen und bekannten internationalen Speisen. Das Hotel ist gut ausgelastet und im Saal ist ordentlich was los.

Danach fahren wir die 50 KM vom Hochplateau auf dem Amman liegt nördlich, in das etwas tiefer liegende Gerasa (Jerash) auch bekannt als Antiochia am goldenen Fluß. Die antike Stadt dort ist äußerst sehenswert und gilt als eine der besterhaltenen griechisch-römischen Städte. Gerasa erlebte seine Blütezeit in griechischer, hellenistischer, römischer und byzantinischer Zeit.

Wurde aber auch danach immer wieder von anderen Völkern erobert oder bewohnt. Umayyaden, Kreuzfahrer, Mamluken, Osmanen etc. Die frühesten Siedlungsspuren sind von 7500 v. Chr. Mitte des 8. Jahrhunderts zerstörte das Erdbeben von Galiläa im Jahr 749 große Teile der Stadt und weitere Erdbeben trugen zu den Zerstörungen bei. Das riesige Areal dort wurde erst 1806 wiederentdeckt, nachdem es sehr lange verschüttet und somit gut konserviert war. Noch heute ist nur ein Bruchteil der Stadt ausgegraben!

Beeindruckende Bauten überall, Tempel des Zeus, Tempel der Artemis, Prachtvolle Säulenstraßen – der Cardo Maximus, zwei Theater, ein Zirkus, das ovale Forum umgeben von einer Säulenhalle, ein imposantes Nymphäum. Der Hadriansbogen wurde zu Ehren des Besuchs Kaiser Hadrians in den Jahren 129-130 n.Chr. erbaut.

SolcheBauten lassen erahnen, wie mächtig diese Stadt einst war. Viele Gebäude sind sehr gut erhalten und man kann durchaus erkennen, wie es hier einst ausgesehen haben muß. Prunkvoll und durchdacht. Hier verbringt man leicht ein paar Stunden, ohne es überhaupt zu merken. Wir durchstreifen das Areal mit Staunen und Ehrfurcht. Außer uns sind auch andere Gruppen hier, aber es ist keinesfalls voll und auf dem großen Gelände verläuft es sich sofort.


Dann geht es für uns wieder zurück in die Hauptstadt. Auf dem Weg zur Zitadelle von Amman halten wir noch kurz für ein Foto an der Blauen Moschee.

Die Zitadelle thront auf dem höchsten der sieben Hügel mitten in Amman. Einen wunderschönen windigen Rundumblick haben wir von dort. Die meisten der noch sichtbaren Bauten dieser archäologischen Stätte stammen aus der römischen, byzantinischen und umayyadischen Zeit. Herkulestempel, eine byzantinische Kirche und der Ummayyaden-Palast.

Außerdem wurde das Archäologische Museum Ammans hier oben errichtet. Wir machen uns wieder auf den Weg nach unten und schlendern etwas durch die Altstadt und über den Souk. Es ist schon dunkel als wir aus der Stadt Richtung Hotel fahren und unterwegs bei der Jordan River Winery anhalten, um an einer Weinverkostung teilzunehmen.

Zwei Rotweine und ein Weißwein stehen für jeden bereit und etwas Käse und Wurst. Eine Erklärung durch eine Fachkraft darf natürlich auch nicht fehlen. Einige mögen keinen Wein und trinken ihn kaum, andere lassen sich nachschenken. Abschließend kann das verköstigte Gut auch im eigenen Weingeschäft im Erdgeschoß erworben werden. Uns hat der eine oder andere Tropfen zugesagt und wir schlagen zu und verlassen mit mehreren vollen Tüten das Geschäft. Somit ist ein Vorrat für die nächsten Abende angelegt. Es ist übrigens auch der Wein, den Royal Jordanian Airlines im Flugzeug ausschenkt. Spät erreichen wir unser schönes Hotel für die zweite Nacht.
Amman-Qusair Amra-Madaba-Totes Meer
Heute werden wir unsanft um 6:37 Uhr vom Telefon geweckt. Weckanruf? Hatten wir nicht bestellt. Da unser Wecker eh auf 7 Uhr steht, können wir auch aufstehen. Sachen gepackt, gefrühstückt und um 8:30 h ist Abfahrt. Durch Ammans bessere Viertel fahren wir auf der A40 in die Wüste nach Osten Richtung irakische Grenze.

Nach 1,5 Stunden erreichen wir Qusair Amra. Ein kleines Wüstenschloß aus dem 8. Jahrhundert mitten im Nichts. Erbaut von einem umayyadischen Prinz, dem späteren Kalifen. Es diente als Jagd,- und Lustschloß mit einem Bad im römischen Stil. Hier draußen, weit ab von anderer Zivilisation ließ es sich besser baden und feiern. Innen ist das Schlößchen reich mit Fresken an den Decken und Wänden verziert. Allerdings haben einige sehr gelitten und wurden auch nicht fachgerecht restauriert. Es sind Darstellungen zu sehen, wie sie aus der Antike bekannt sind, aus persischer und arabischer Kunst ebenso.

Themen sind Jagd, Badeszenen, unbekleidete Frauen, Handwerk, Astralkörper, Tiere, Akrobaten, erotische Szenen, sowie königliche Figuren. Sie sind über alle Räume verteilt und lassen keinen endgültigen Schluss über deren Bedeutung zu. Es ist jedoch anzumerken, daß diese Wandbemalungen ein wichtiges Zeugnis für die frühe islamische Kunst sind, da sie rein säkular sind, das heißt, keinen religiösen Charakter tragen und somit auch das private Leben darstellen. Ebenso zeigen sie, dass das Verbot, naturgetreue Bildnisse anzufertigen, erst eine spätere Entwicklung des Islam war. Der schön geflieste Boden hat ebenfalls viele Narben aufgrund von Lagerfeuern, die dort nach dem Verfall und vor der Wiederentdeckung von Nutzern der Anlage gemacht wurden.

Hirten nutzten das kleine Bauwerk teilweise als Stall. 1300 Jahre sind eben eine lange Zeit. Heiß ist es mittlerweile mitten in der menschenleeren Geröllwüste. Draußen im Zelt der Beduinen trinken wir noch einen Tee bevor wir über die A35 nach Madaba weiterfahren. Zwei Stunden durch karge Wüstenlandschaft bis wir das hügelige Städtchen erreichen. Die von Moabitern gegründete Stadt wird mehrfach in der Bibel erwähnt. Im 1. Jahrhundert v. Chr. kam die Stadt unter nabatäische Herrschaft, ab 106 n. Chr. war sie Teil der römischen Provinz Arabia.

Im 4. Jahrhundert war die Stadt Bischofssitz, 614 wurde sie von den Persern erobert. 746 zerstörte das große Erdbeben die Stadt, die daraufhin von den Bewohnern aufgegeben wurde und verödete. 1880 wurde sie von Christen wieder besiedelt, wobei unter Schutt alte Mosaiken gefunden wurden. 1897 gab es noch Reste von 10 Kirchen, die aber bereits in Wohnhäuser integriert waren. Im Ort wurden seit Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche Kirchen und Häuser mit gut erhaltenen Mosaiken freigelegt.

Als weltbekannt und besonders bedeutend gilt das frühbyzantinische Bodenmosaik mit der ältesten im Original erhaltenen kartographischen Darstellung Palästinas beiderseits des Jordans und Unterägyptens. Angefertigt zwischen 542 und 565 n Chr. Beeindruckende 2,5 Millionen Steinchen von denen noch rund 800 Millionen erhalten sind. Es ist ungemein detailreich, bedeckt eine große Fläche des Fußbodens und befindet sich in der Griechisch-Orthodoxen St.Georgs-Kirche.

Von unserem Parkplatz laufen wir durch schöne Straßenzüge mit ansprechenden Geschäften und Restaurants dorthin. Die Innenstadt ist schön gestaltet und viele Schilder und Wegweiser sind Mosaike und das hat Stil. Für diese Kunst ist der Ort weltberühmt. Madaba ist eine der jordanischen Städte mit relativ hohem christlichen Bevölkerungsanteil. Wir müssen zurück zum Bus und ärgern uns ein wenig, daß wir hier nicht mehr Zeit für die schönen Geschäfte und Restaurants haben. Es lohnt sich hier etwas mehr Zeit einzuplanen. Auf dem Weg zu unserem heutigen Hotel am Toten Meer können wir von den Hochlagen bis ins Heilige Land, nach Jerusalem sowie ins Jordantal, welches ein Teil des großen afrikanischen Grabenbruchs ist, schauen.

Von der doch sehr angenehmen Temperatur hier oben bis zur gefühlt tropischen Wärme ganz unten, benötigen wir 1,5 Stunden. Am tiefsten Punkt der Erde mit 400 Metern unter NN checken wir für zwei Tage im schönen Dead Sea Spa Resort ein. Eins der ersten Hotels hier am Platz aber sehr schön und komfortabel. Wir haben ein großes Zimmer mit Balkon und „seitlichem Meerblick“.

Die schön gestaltete Anlage ist tropisch bepflanzt und man fühl sich wirklich wie am „Meer“. Früher lag das Hotel mal direkt am Wasser. Dadurch, daß aber der Wasserspiegel hier jährlich sinkt, ist der Weg ans Wasser mittlerweile lang und alle paar Meter steht ein Schild, in welchem Jahr der Wasserspiegel noch eben hier war. Erschreckend. Dem Toten Meer mangelt es an Zuflüssen (Der Jordan führt mittlerweile so wenig Wasser) und so wird irgendwann nur noch ein großer Salzsee zu sehen sein. Jedes Jahr sinkt der Wasserspiegel um einen Meter.

Das Tote Meer besteht seit 1979 aus zwei Teilen. Den nördlichen mit dem Tourismus und den ganzen Resorts und den südlichen durch eine Landbrücke abgeschnittenen Teil bestehend aus flachen, überwiegend künstlich veränderten Becken, die zur Mineraliengewinnung genutzt werden. Durch Verdunstungsbecken ist der Wasserspiegel dort teilweise stabilisiert, während der nördliche Teil stark austrocknet. Wir laufen runter an die Wasserkante und wollen natürlich ein Bad in dem warmen extrem salzhaltigen Wasser nehmen. Der Auftrieb ist enorm und man merkt schon beim Reingehen in Hüfthöhe, daß einem der Hintern angehoben wird. Tatsächlich schweben wir ohne Anstrengung und liegen auf dem Wasser.

Ein Erlebnis. Da man nicht zu lange im Wasser bleiben soll, gehen wir nach 15 Minuten zum Schlammtopf und reiben uns komplett mit dem mineralhaltigen gesunden Schlamm ein und lassen es einwirken. 10 Jahre jünger soll man danach aussehen! Nachdem wir uns das Zeug wieder abgewaschen haben, gehen wir hoch an den Pool. Die Sonne ist dabei unterzugehen und taucht die Umgebung in wunderschönes Licht. Schräg gegenüber in Jericho im Westjordanland gehen die ersten Lichter an. Israel, das Westjordanland und Jordanien teilen sich das Tote Meer. Nach einem guten Abendbuffet und netten Gesprächen lassen wir den lauen Abend mit einer Flasche Jordanischem Wein auf dem Balkon ausklingen.

Totes Meer-Wadi Mujib-Bethanien-Totes Meer
Nach einem leckeren Frühstücksbuffet starten wir heute wieder von unter dem Meeresspiegel rauf in die Berge. Schroffe Felsen und Gestein, Bergkämme.

Eine Landschaft wie in Arizona oder dem Death Valley. Vorbei an Mukawir (Machaerus) auf dessen Kegelberg die Überreste einer Burg von König Herodes stehen. Salome tanzte hier einst und verdrehte dem Herrscher den Kopf. Auf ihren Willen hin, ließ er für sie Johannes den Täufer köpfen.

Steile Serpentinen führen runter ins Jabbok-Tal (Wadi Zerka) mit seinen bis zu 60° heißen Thermalquellen und Wasserfällen. Direkt hier steht ein großes Resort und bietet kurze Wege zu den Attraktionen. Es kostet mittlerweile Eintritt und somit erhaschen wir ein Blick auf den Wasserfall von anderer Stelle.

Von hier geht es ebenso steil wieder hoch auf und oben auf dem Plateau fahren wir teilweise auf der alten Weihrauchstraße durch kleine Ortschaften früherer Halbnomaden und Beduinen. Nach dem kleinen Ort Dhiban geht es etwas bergab und vor uns öffnet sich ein sagenhafter Ausblick in eine weite tiefe Schlucht. Das Arnontal oder der Wadi Mujib werden auch der Grand Canyon Jordaniens genannt. Es beherbergt das tiefstgelegene Naturschutzgebiet der Welt.

Der spektakuläre Canyon mit ganzjährigem Wasserfluß mündet ins Tote Meer. Aber auch das kann den sinkenden Pegel nicht aufhalten. In der Schlucht kann man Wanderungen durch das Wasser bis zur Mündung machen. Die Szenerie ähnelt wirklich dem Gebiet des Grand Canyons. Wir halten hier an einem Container in dem Beduinen einen Kiosk betreiben und erfrischen uns mit Arabischem Kaffee, Tee oder frischem Granatapfelsaft.

Danach kehren wir um und fahren zurück bzw. noch weiter bis nach Suwaymah. Hier machen wir im Schatten Mittagspause und erstehen in einem der zahlreichen Geschäften Tote Meer-Produkte. Cremes, Lotion, Mitbringsel, alles gesund und heilend etc. Anschließend fahren wir nach Bethanien, der Taufstelle Jesu am Ostufer des Jordan. Dieses Gebiet, noch bis 1994 komplett gesperrt. liegt in der militärischen Sperrzone und darf nur mit Genehmigung betreten werden.

Somit müssen erstmal von allen Anwesenden die Daten erfaßt werden. Die Aufstellung wird beim Checkpoint abgegeben, der Schrankenwärter erhält noch ein paar Getränke aus der Kühlbox damit er es mit der Zeit nicht so genau nimmt. Normalerweise ist eine Stunde Aufenthalt dort erlaubt. Keiner darf das Gebiet allein betreten oder abseits der Pfade unterwegs sein. Schließlich ist man hier am Grenzfluß zum Westjordanland/Israel unterwegs. Vorbei am Eliashügel, lt. Bibel ist dies der Ort, von dem der Prophet Elia mit einem Feuerwagen in den Himmel aufgefahren ist, wandeln wir auf schön angelegten Wegen und erreichen als erstes die kleine Quelle aus der Johannes der Täufer das Wasser für die Taufe von Jesus entnahm.

Nicht weit davon entfernt befindet sich die eigentliche Taufstelle. Alte Ausgrabungen, Überreste von Gebäuden und Kirchen sind zu sehen. 5 Kirchen wurden hier zu verschiedenen Zeiten erbaut. Manchmal die neue über die Überreste der alten. Selbst die kleine Kapelle an der Taufstelle an der Jesus seine Kleider abgelegt hat, ist noch vage zu erkennen. Mittlerweile ist diese Stelle offiziell von mehreren Kirchenleitungen, auch der russisch-orthodoxen und vom Vatikan als offizielle Taufstelle Jesus Christus bestätigt.

Neueste Funde und Erkenntnisse lassen daran keinen Zweifel. Verschiedenste Päpste und Würdenträger sowie Staatsoberhäupter haben diese Stelle mittlerweile besucht. Das Mosaik in Madaba zeigt diese Stelle ebenfalls. Sie liegt an einem Seitenarm des Jordan, der hier eine Kurve macht und nicht ständig Wasser führt. Generell ist der Fluß heutzutage eher ein Flüßchen. Gerade bei Trockenheit, durch Ableitungen und Wasserentnahmen weiter oben im Norden von israelischer Seite.

Jordanien entnimmt angeblich keinen einen Tropfen mehr aus dem Jordan, da die Wasserqualität hier unten wohl nicht die Beste sei. Am Ende des Pfades gelangen wir direkt ans Wasser und können die Füße in den Jordan halten. So nah wie hier, waren wir der biblischen Geschichte noch nie. Drei Meter gegenüber ist eine gleiche Stelle der Israelis. Die Grenze verläuft in der Wassermitte. Seltsames Gefühl die Leute dort drüben so nah zu sehen. Man kann sich unterhalten. Eine Frau auf der anderen Seite geht im Fluß richtig baden. Dort gegenüber weht die Flagge Israels, obwohl sich der Teil in der Westbank befindet.

Wir müssen zurück, unsere Zeit ist um und wir fahren wieder zum Hotel. Zum Glück haben wir noch Zeit und können nochmal im Toten Meer baden. Das obligatorische Bild, Zeitungslesend im Wasser liegend, machen wir noch. Den Sonnenuntergang um 18 Uhr schauen wir uns vom Ufer aus an. Ein Geschichtsträchtiger Tag geht zu Ende.


Totes Meer-Berg Nebo-Madaba-Umm Er Rasas-Shobak-Petra
Eigentlich ist in dieser Gegend alles Geschichtsträchtig, denn die Gebiete und Orte bestehen allesamt schon lange und sind in großen Teilen in der Bibel erwähnt.

So nah hatte ich mich damit bis jetzt nicht auseinandergesetzt. Wir verlassen unser schönes Hotel im warmen Gebiet und schlängeln uns wieder auf die Höhenzüge Richtung Madaba. Erster Stop ist wieder etwas für den Geschichts,- und Religionsunterricht. Der Berg Nebo, von wo einst Moses, als er mit dem Volk Israel, daß er aus Ägypten befreit hatte, ins gelobte Land blickte, aber sterben mußte, ohne es selbst je betreten zu haben.

Bei bestem Wetter sehen wir von 800 Metern Höhe das Jordantal, das Tote Meer und bis nach Jerusalem auf den Ölberg sowie die Golanhöhen. Angeblich soll Moses auch hier begraben worden sein. 393 n.Chr. wurde eine Gedächtniskirche gebaut, von der aber nur noch wenige Teile erhalten sind – Steine und Teile des großen Mosaikbodens. Ein neues Gebäude wurde darüber gesetzt damit die Überreste geschützt sind.

Es ist ein heiliger Ort für Christen, Juden und Muslime gleichzeitig. Dementsprechend ist hier einiges los und Menschen all dieser Konfessionen sind zu sehen. Wir lassen den heiligen Berg hinter uns und fahren ein Stück weiter an den Rand von Madaba, der Mosaikstadt. Hier halten wir an einer Mosaikmanufaktur und können den Damen bei der Herstellung nebst Erklärung der Artefakte über die Schulter schauen. Manch einer ersteht hier noch ein Mitbringsel.

Im weiteren Verlauf der Fahrt erreichen wir dann Umm Er Rasas, während der Blütezeit auch Kastron Mefaa genannt. Es ist eine archäologische Ausgrabungsstätte mit römischen und byzantinisch-christlichen Ruinen vom Ende des 3. bis zum 9. Jahrhundert. Ganze zwölf Kirchen standen hier, viele wieder mit kunstvoll gefertigten Mosaikfußböden.

Vorneweg die Stephanskirche. Des Weiteren stand hier ein spätrömisches Kastell. Am Ende des 8. Jahrhunderts existierte in Kastron Mefaa ein blühendes städtisches Sozialleben. Diese christliche Gemeinschaft war religiös und administrativ organisiert und zeigte eine außergewöhnliche künstlerische Vitalität. Die große Zahl von Gotteshäusern macht deutlich, dass der Ort während der byzantinischen Ära ein kirchlicher Brennpunkt für die Region gewesen ist. Zu Beginn des 9. Jahrhunderts erfolgte der Niedergang des christlichen Lebens und damit der Stadt.

Die Befunde bezeugen somit auch die Aufgabe der kirchlichen Bauten. Die durch den Islam eingeleitete kulturelle und geistige Transformation lässt sich sehr deutlich im archäologischen Kontext nachweisen. Speziell, während der Abbasidenherrschaft wurden die Regeln für Christen in der islamischen Welt wesentlich strenger. Es griff nun das Bilderverbot im Islam. In den Kirchen von Kastron Mefa'a mussten alle menschlichen Darstellungen getilgt werden. Auch aus den Mosaiken wurden sie entfernt.

Der Bildersturm machte auch vor Tierdarstellungen nicht halt, so wurden viele Fische, zumeist aber deren Köpfe entfernt und bei etlichen Tintenfischen die Augen getilgt. Aus unbekannten Gründen blieb in der Stephanskirche nur eine einzige menschliche Darstellung in den Mosaikfußböden erhalten. Die meisten dieser von uns besuchten historischen Stätten gehören mittlerweile zum UNESCO Weltkulturerbe. Weiter geht es im hier und jetzt über die A15 zwei Stunden südlich nach Shobak. Dort thront die Kreuzfahrerburg Montreal auf einem Kegelberg über der Ebene von Edom an der Pilger,- und Karawanenstraße von Syrien nach Arabien.

Die Burg wurde 1115 von Balduin I. von Jerusalem als erste Burg östlich des Jordans und des Toten Meers errichtet. Anlass war ein Feldzug, bei dem er 1116 Akaba eroberte. Die neue Festung sollte die Route von Jerusalem nach Akaba sichern. Die günstige Lage der Burg erlaubte es Balduin, zudem die Wirtschaft der Gegend zu kontrollieren, da Pilger und Händler eine Erlaubnis brauchten, die Straße zu benutzen. Relativ schnell wurden die Kreuzfahrer aber wieder von dort vertrieben. Der Ayyubiden-Sultan Saladin griff das Königreich 1187 an, eroberte Jerusalem und ließ seinen Bruder al-Adil im gleichen Jahr auch Montreal belagern. Zwei Jahre später fiel die Burg und die Christen wurden von dort vertrieben. Die Burg allerdings wurde weitergenutzt, verändert und vergrößert.

Umfangreiche Reste sind erhalten geblieben, die allerdings bis vor wenigen Jahren weitgehend von Schutt und jüngerer Bebauung bedeckt waren. Seit den 2000er Jahren erst wird sie systematisch gesichert und für den Tourismus erschlossen. Auf dem ganz neu gestalteten Besucherrundweg laufen wir zur Burg. Es besteht für Beeinträchtige auch die Möglichkeit sich vom Besucherzentrum in Elektrokarts hochfahren zu lassen. Es ist schon nach 17 Uhr, als wir hier aufbrechen. Unterwegs halten wir auf einem Höhenzug und beobachten den Sonnenuntergang am Horizont und blicken in den Talkessel von Edom unter uns, Richtung Petra wo wir jetzt hinfahren.

Am Eingang des Mosestals, Wadi Musa genannt, passieren wir die Mosesquelle. Der Legende nach zog Moses einst durch das Tal und schlug gegen den Felsen an der Stelle von Ain Musa, bis Wasser aus dem Felsen herauskam. Die Nabatäer bauten Kanäle, die Wasser aus dieser Quelle in die Stadt Petra leiteten. Wadi Musa wurde auch als „Wächter von Petra“ bezeichnet. Das Grab Aarons, die traditionelle Grabstätte des biblischen Aaron, des Bruders von Moses, befindet sich auf dem nahe gelegenen Dschebel Harun, möglicherweise der biblische Berg Hor. Wadi Musa ist auch der gleichnamige Ort und nächstgelegene Stadt zur archäologischen Stätte Petra. Hier übernachten wir im Hotel Edom.

Es besticht von außen mehr als von innen. Immerhin ist die Lage toll und der Eingang nach Petra ist fußläufig schnell zu erreichen. Wir essen etwas vom nicht wirklich guten Buffet und machen uns dann noch mit ein paar anderen auf eigene Faust auf. Wir wollen noch zu Petra by Night. Das steht nicht auf unserem Programm, aber ich habe es recherchiert und heute Abend ist eine Veranstaltung.

Ein paar denen ich davon erzähle, schließen sich an. Karim ist so nett und begleitet uns bis zum Eingang und besorgt uns die Karten, denn Petra by Night kann man nur in Verbindung eines Tagestickets von heute oder von morgen erwerben und da Karim die Tickets für morgen für uns hat, geht er mit bis zur Kasse. Ganz günstig ist es nicht. Der Eintritt kostet 30 Dinar pro Person. Das Tagesticket für morgen kostet nochmal 50 Dinar! Der Weg führt immer leicht bergab ins immer enger werdende Tal. Es ist schon lange dunkel aber der Weg ist mit hunderten Kerzen beleuchtet. Ein Flötenspieler steht auf einem Felsen und begleitet uns musikalisch.

Eine wunderbare Atmosphäre. Wie in einer Klamm läuft man durch die enge Schlucht und die Seiten ragen steil hoch hinauf. Ganz oben durch die enge Öffnung sieht man ein paar Sterne. Im Kerzenschein sieht das alles unfaßbar aus. Nach der letzten Biegung stehen wir auf einmal in der weiten Öffnung vor dem beleuchteten Schatzhaus. Der Platz ist hier mit hunderten Kerzen bestückt. Man sitzt auf dem Boden oder auf den weiter hinten vorhandenen Stühlen und läßt diese Szenerie einfach auf sich wirken.

Der Flötenspieler ist angekommen und stimmt die Menge auf das Schauspiel ein. Alles lauscht andächtig. Beduinen laufen durch die Reihen und verteilen Pappbecher mit Tee. Es wird immer stiller. Dann beginnt ein Countdown und die Laserprojektion beginnt. Alles wird auf die Oberfläche des Schatzhauses projiziert. Die Geschichte der Nabatäer, wie sie in das Land gekommen sind und Petra erbaut haben.

Wie die großen Erdbeben des Öfteren fast alles zerstörten. Wie die Römer kamen und schließlich bis zur Wiederentdeckung in der Neuzeit durch den Schweizer Johann Ludwig Burckhardt. Ständig wechselnde Animationen, Motive und Bilder mit einer englischen Vertonung und Erklärung. Absolut sehenswert! Am Ende strahlt das Schatzhaus in den Farben eines Palästinensertuchs sowie in der jordanischen Flagge. Ein wenig Politik muß wohl am Ende auch sein.

Wir machen uns wieder auf den Rückweg, diesmal alles wieder leicht bergauf. Ich merke auf einmal beim Laufen, daß ich mich nicht ganz fit fühle. Seltsam. Im Hotel angekommen verstärkt sich das Gefühl. Wir machen uns nachtfertig und wollen schlafen gehen. Die Betten sehen sehr zerknittert aus. Beim Zurückschlagen der Decke bemerkt Sabrina viele Haare im ganzen Bett. Das ist nicht sehr schön. Also wieder anziehen, runter zur Rezeption. Dort steht schon eine andere Dame und hat ebenfalls etwas zu reklamieren. Nach einer Weile verspricht uns der Herr schnelle Abhilfe und bald darauf kommt ein Zimmermädchen und bezieht beide Betten neu. Sabrinas Bett wurde wohl vergessen. Auch schien das Bad nicht ganz sauber. Mittlerweile ist es deutlich nach Mitternacht.
Petra-Wadi Rum
Die Nacht war nicht gut. Ich habe leichtes Fieber bekommen und andere Sachen, die mich nicht haben durchschlafen lassen. Gerade heute, wo die Erkundung Petras ansteht. Ich hatte mit Volker eine schöne, aber anstrengende Route ausgedacht, die wir abreißen wollten. Ich fühle mich aber entfernt von richtig fit und somit streiche ich das für heute. Volker läuft das allein.

Nach dem auch nicht so prickelnden Frühstück, für mich gab es nur ganz wenig, machen wir uns wieder auf zum Eingang von Petra, dem Höhepunkt einer jeden Jordanienreise. Diese beeindruckende, vom Volk der Nabatäer ab dem 6. Jahrhundert vor Christus aus dem Sandstein gehauene Stadt, war einst ein bedeutendes Handelszentrum und Hauptstadt ihres Reiches. Dem ersten arabischen Reich der Geschichte. Die Blütezeit der Stadt, in der die berühmten Fassaden in den Felsen geschlagen wurden, lag um die Zeitenwende (1. Jh. v. bis 1.Jh n.Chr.)

Auf halbem Weg zwischen dem Golf von Aqaba und dem Toten Meer liegt Petra auf einer Höhe zwischen 800 und 1350 Meter in einem weiten Talkessel im Bergland von Edom. Dank ihrer strategisch günstigen Lage am Kreuzungspunkt mehrerer Karawanenwege, die Ägypten mit Syrien und Südarabien mit dem Mittelmeer verbanden, war die Stadt vom 5. Jahrhundert vor bis zum 3 Jahrhundert nach Christus ein bedeutender Handelsplatz. Insbesondere kontrollierte Petra einen wichtigen Knotenpunkt der Weihrauchstraße. Diese uralte Handelsroute führte vom Jemen aus an der Westküste Arabiens entlang und teilte sich bei Petra in einen nordwestlichen Zweig, der nach Gaza und in einen nordöstlichen, der nach Damaskus führte.

Da wir früh dran sind, ist die Menge an Leuten noch überschaubar. Zwei Wochen vor uns, war Petra quasi noch menschenleer wurde uns gesagt. Wir laufen wieder den 1,5 Km langen Weg durch die immer enger werdende Felsschlucht, der sogenannte Siq, an der engsten Stelle nur zwei Meter breit und bis zu 70 Meter hoch, nach unten. Alternativ kann man sich auch per Maultier hinunterbringen lassen oder aber per Elektrokart.

Im Tageslicht sieht alles doch wieder anders aus. Wieder sind wir begeistert als wir „eintreten“ und hier jetzt alles im Hellen sehen. Volker startet zu seiner ambitionierten Runde. Wir lassen erstmal rundherum alles auf uns wirken und stehen einfach wieder staunend vor dem bekanntesten Gebäude, dem Schatzhaus, das eigentlich eine Grabkammer ist. Beeindruckend wenn man überlegt, daß die Gebäude von oben nach unten aus dem Stein gemeißelt wurden.

Vom großen Platz gehen wir dann weiter bergab an weiteren Grabkammern und am Theater vorbei bis zu den Königsgräbern und kraxeln dort herum. Hier öffnet sich der Talkessel und wird wieder weiter. Schöne Bilder entstehen auf den Klippen, im Hintergrund die Berge. Heiß ist es mittlerweile und ein Päuschen tut gut. Wir lassen den Blick schweifen, ein Mann auf einem Kamel reitet langsam vorbei.

Wir haben Glück denn die Anzahl der Besucher hält sich immer noch in Grenzen. Volker ist ganz am anderen Ende unterwegs, er wollte ja bis zum Kloster. Ein weiteres spektakuläres Gebäude ganz am Ende eines 2,5 Kilometer langen Trails für den 2,5 bis 3 Stunden veranschlagt sind. Wir gehen nicht ganz bis zur Säulenstraße.

Mehr schaffe ich heute nicht aufgrund meines Zustands. Ich will es ungern wieder so wie in Sri Lanka machen und mir alles abverlangen. Es gibt viele Wege und Trails hier und man kann problemlos ein paar Tage damit verbringen alles abzulaufen. Schließlich gibt es sehr viel zu sehen.

Wir laufen langsam zurück zum großen Platz am Schatzhaus. Von uns aus links geht es Treppen hoch bis zu Aussichtspunkten, von denen man einen hervorragenden Blick auf den Platz und das Schatzhaus von oben hat. Diesen Aufstieg machen wir noch. Was ein spektakulärer Blick. Vor kurzem war das noch kostenfrei, mittlerweile kostet es 10 Dinar zusätzlich. Bezahlt wird direkt unten am Aufgang. Es lohnt sich auf jeden Fall! Wir bleiben eine Weile dort oben und genießen den Ausblick und beobachten den Trubel auf dem Platz unter uns.

Mittlerweile ist es auch deutlich voller geworden. Zeit für uns langsam wieder durch die Schlucht nach oben zu gehen. Volker ist von seiner Mammutrunde zurück. Jetzt merke ich die schwindende Kraft und bin froh, wenn wir etwas sitzen. Das können wir dann beim späten Mittagessen in Wadi Musa Stadt. Leckere lokale Köstlichkeiten, Falafel, Hummus, Fladenbrot etc. und sogar ein Bier gibt es.

Es gibt übrigens sehr leckeres Bier hier. Empfehlung ist das Craft Beer von Carakale und explizit das Blue Valley Kölsch. Das nur am Rande. Gestärkt brechen wir dann auf Richtung Wüste. Während der Fahrt erfahren wir dann, daß es wohl anderen die letzten Tage auch nicht gut ging und hier wohl ein Virus die Runde macht. Zwei Stunden fahren wir über den Desert Highway weiter in den Süden und erreichen den Eingang zum Wadi Rum gegen 17:30 Uhr. Im schwindenden Licht schnell noch ein Foto von den imposanten „Sieben Säulen der Weisheit“ gemacht.

Bekannt ist diese Felsformation aus dem Roman und Film „Lawrence von Arabien“ welcher im Wadi Rum gedreht wurde. Nach kurzer Weiterfahrt müssen wir in Pick-Ups umsteigen, die uns dann im Dunkeln durch den Wüstensand bis zu unserem Beduinencamp bringen.

Die Zeltbungalows hier sind mehr Haus als Zelt und sehr geräumig und luxuriös ausgestattet. sogar ein großer Kühlschrank ist drin. Hier kann man es durchaus mehrere Tage aushalten. Schade, daß wir nur eine Nacht hier sind. Eine Treppe führt am Rande hoch auf die Dachterrasse. Wir machen es uns gemütlich, bis zum Treffen gerufen wird. Im Erdofen brutzelt seit einer ganzen Weile unser Essen und wird dann im Beisein aller aus dem Loch geholt. Es darf lecker lokal gegessen werden. Das Speisezelt ist direkt an eine Felswand gebaut und manch einer denkt, es wäre Pappmaché. Danach setzen wir uns noch vor unsere Unterkunft und beobachten bei Wein den Sternenhimmel sowie die unwirkliche Szenerie hier. Unser „Zelt“ steht in der ersten Reihe, somit haben wir freien Blick und schauen in einiger Entfernung auf einen großen Felsen und rechts in die weite Senke. Die Lichter des Camps beleuchten die Umgebung schwach und wir können durchaus etwas sehen. Vorhin beim Essen wurden noch Angebote für weitere Unternehmungen morgen früh unterbreitet und Sabrina hat sich für eine Fahrt im Heißluftballon zum Sonnenaufgang über dem Wadi Rum entschieden. Sie stellt also den Wecker. Ich bin froh „ausschlafen“ zu können um komplett fit zu werden. Es geht schon deutlich besser als heute Morgen.
Wadi Rum - Aqaba
Sehr gut habe ich geschlafen in diesem sehr angenehmen Ambiente. Als ich aufwache, ist Sabrina schon lange weg. Zu dritt sind sie los. Ich schaue mich draußen um und es sieht genauso schön aus, wie man es gestern im Dunklen schon vermutet hat. Das Camp liegt schön eingebettet zwischen den Felsen. Ich laufe ein wenig durch den Sand, um es aus der Entfernung zu betrachten und die nähere Umgebung zu erkunden.

Dann gibt es Frühstück. Allerdings esse ich nicht viel, da es fast nur lokales Angebot gibt, das heute, im Vergleich zu anderen Tagen, nicht an mich geht. Ich packe noch eine Kleinigkeit für Sabrina ein, denn wenn die Damen zurückkommen, brechen wir direkt auf hieß es und für Frühstück ist dann keine Zeit mehr. Sie kommen später als geplant, denn der erste Ballon war schon voll und sie mußten ihm hinterherfahren, um dann die zweite Tour zu fahren. Das macht gar nichts, denn mehr Licht macht im Endeffekt die besseren Bilder.

Ganz beseelt sind sie von der Erfahrung in dieser Stille bei bestem Wetter eine fantastische Aussicht über die unendlich scheinende Weite der Wüste gehabt zu haben. Als ich die Bilder sehe, verstehe ich. Durch die Fahrt zum Startort haben sie quasi schon eine private Wüstentour hinter sich. Alle anderen sind aufbruchbereit und die Jeeps für die Wüstentour warten schon. Karim unterbreitet uns ein Angebot die Tour gegen einen kleinen Aufpreis auszudehnen und tiefer ins Wadi Rum vorzudringen, um mehr zu entdecken. Das wird leider von einigen blockiert, weil sie

so schnell wie möglich nach Akaba wollen und ins Hotel, um wenigstens nochmal ans Meer zu kommen. Leider verstehen sie nicht, daß vor 14 Uhr kein Check-In erfolgen kann und wir die Zeit so besser nutzen könnten. Es wird sich weiter quergestellt und somit machen wir nur die ca. zweistündige Tour. Wir fahren nur in der weiteren Umgebung des Camps herum.

Auf den Ladeflächen der Pick-Ups sind Sitzbänke montiert und so fahren wir bei bestem Wetter durch Sand und Geröll. Sehr coole Sache. Die Landschaft ist betörend, die Mischung aus Weite, Sand und hohen Bergen/Monolithen ist sehr beeindruckend. Nicht umsonst wurden hier schon etliche Filme gedreht. Vom vorher erwähnten Lawrence von Arabien über Teile von Star Wars, Dunes bis zu Transformers. An einigen Monolithen sind uralte Felszeichnungen der Nabatäer, die schon durch dieses Gebiet zogen. Beduinen treiben Kamelherden durch die Landschaft und überall Jeeps, die Besucher herumfahren. Wir befinden uns relativ nah zur Straße und viele der Camps sind hier in der Gegend. Anscheinend sind sie die letzten Jahre über wie Pilze aus dem Boden geschossen, wird uns berichtet. Die Jeeps setzen uns wieder am Straßenrand ab und dort warten wir dann mindestens eine Stunde bis der Bus kommt. In dieser Zeit hätten wir eben auch durch die Wüste fahren können. Ich schwöre mir direkt, nochmal herzukommen und eine private Tour zu machen. Wadi Rum ist eines der Highlights in Jordanien und ich kann nicht verstehen, warum man das nicht „sehen“ will.

Als alles wieder verstaut ist, beginnt unsere letzte Fahrt. Eine Stunde und zwanzig Minuten nach Aqaba über den Desert Highway und dann erstmal in die Stadt rein. Es heißt ja noch Zeit zu vertrödeln. Wir halten in der Nähe des Zentrums und besorgen uns Bargeld bei der Bank, schlendern einmal durch die angrenzenden Gassen und kaufen im Liquor Store noch Bier und Arak. Gegen 13:30 Uhr fahren wir die paar Kilometer raus nach Tala Bay kurz vor der saudischen Grenze. Hier im Vier-Länder-Eck von Saudi-Arabien, Jordanien, Ägypten und Israel am Golf von Akaba, einem Seitenarm des roten Meeres liegt unser Hotel, das Mövenpick Tala Bay Resort & Spa. Eine schöne Anlage empfängt uns. Direkt gegenüber liegt rechts auf der israelischen Seite die Negev-Wüste und die Stadt Eilat und links auf der ägyptischen Seite erheben sich die Höhenzüge des Sinai. Hier endet für einen Teil der Gruppe die Reise morgen mit der Rückkehr nach Frankfurt. Für uns und ein paar andere beginnt eine weitere Woche mit Baden und Relaxen sowie kleinen selbstgestalteten Ausflügen.

Aqaba und Umgebung
Die 5 Sterne Hotelanlage ist sehr schön gestaltet und angelegt und fällt von der Küstenstraße oben zum Wasser hin ab.

Unser Zimmer ist in der ersten Etage mit Balkon und Meerblick. Es gibt viele verschiedene Pools und sehr nettes aufmerksames Personal. Verschiedene Restaurants und Bars. Jeden Nachmittag gibt es eine halbe Stunde lang kostenlos Mövenpick Schokolade zum Probieren in der Lobby.

Am Meer ist ein schöner Sandstrand mit Liegen und Schirmen im Baststil und viele Palmen, die auch etwas Schatten spenden. Hier läßt es sich ein paar Tage aushalten. Der Badebereich ist eingeschränkt aufgrund von Korallen und Steinfischen, die gerne mal strandnah im Sand liegen. Wenn man am Strand nach rechts geht und die Liegen der angrenzenden Apartmentanlage durchquert, erreicht man die Tala Bay Marina in der es ein paar kleine Restaurants und Geschäfte, sowie einen Minimarkt gibt.

Von hier starten auch Bootstouren. Eine Glasbodenbootsfahrt buchen oder einen Jetski ausleihen kann man direkt am Hotelstrand am Pier.
Ein paar Tage genießen wir die Annehmlichkeiten und dann wollen wir aber noch einmal rein in die Stadt und uns dort umschauen, sowie ein Auto mieten. Ein Shuttlebus verbindet das Hotel ein paar Mal am Tag mit der Stadt und um 11 Uhr fährt der erste Bus. Den nehmen wir.

Er hält am Schwesterhotel Mövenpick Aqaba. Von dort laufen wir die Straße vor bis zum Kreisel, an dem ein McDonalds ist. Gegenüber laufen wir die Straße hoch. Auf der rechten Seite ist die große Moschee. Am Ende der Straße beginnen rechts und links die Straßen mit den ganzen kleinen Läden. Das ist ungefähr die Ecke, an der wir auch vor ein paar Tagen mit dem Bus angehalten haben. Wir erstehen ein Trikotset, Lebensmittel, dürfen selbstangebautes Olivenöl probieren und kaufen es und erstehen etwas Schmuck in den vielen kleinen Silber,- und Schmuckläden.
Gegenüber auf der linken Seite der Straße, die wir von unten hochgelaufen sind, geht es am Doubletree Hotel links ab in die Straße, in der einige Autovermieter ihre Büros haben. Bei Enterprise mieten wir uns einen Wagen. Wir klappern in der Stadt noch einige Gegenden ab, bei der ich die Chance auf ein Nummernschild vermute. Bei einem sehr netten tüchtigen Mann einer Autowerkstatt werde ich fündig und er schraubt mir ein Schild von seinem alten 2er Golf ab.
Eine Signatur bekommt es auch. Als Dankeschön und für seine Werkstatt, bekommt er von mir ein ausrangiertes Schild mit Frankfurter Nummer. Mit unserem Wägelchen machen wir uns wieder auf den Rückweg. Parkplätze gibt es ausreichend direkt am Hotel.


Aqaba-Wadi Rum-Aqaba
Wie gesagt, haben wir vor ein paar Tagen schon den Plan geschmiedet, uns das Wadi Rum nochmal „richtig“ auf eigene Faust anzuschauen. Den setzen wir heute um. Über die Internetseite des Visitor Centers und visitwadirum.com kommen wir in Kontakt mit Eid.

Man kann die Gegend nicht mit dem eigenen Auto befahren, sondern nur über gebuchte Führer mit deren Fahrzeug. Um kurz vor 8 Uhr brechen wir auf, damit wir pünktlich zum ausgemachten Zeitpunkt um 9 Uhr dort sind. Es führt eine Straße von der saudischen Grenze „hinter“ Akaba rum und trifft dann auf den Desert Highway. So muß man nicht erst in die Stadt rein und dann wieder rausfahren.

Nach 40 Kilometern kommt man an den Checkpoint, ähnlich einer Grenzkontrolle. Aqaba befindet sich in einer Sonderwirtschaftszone und ist ein Zoll,- und Steuerbegünstigtes Gebiet. Die Beamten von Polizei und Zoll wollen nur wissen, woher wir kommen und was unser Ziel ist. Die Papiere oder einen Führerschein möchte keiner sehen.

Um kurz nach 9 Uhr erreichen wir das Visitor Center. Dort bezahlen wir die Gebühr von 7 Dinar pro Person und dürfen dann bis zum Wadi Rum Village fahren. Das ist eine kleine Ortschaft in dem Beduinen sesshaft geworden sind und von wo aus die Touren starten. Hier sind wir mit Eid verabredet und parken unser Auto. Da wir nur zu dritt sind, können wir in seinem Pick-Up Platz nehmen. Wir düsen los. Während wir so dahinrattern, erzählt er uns viel über die Geschichte des Gebiets und seiner Familie, die schon ewig hier lebt. Er

braucht keine Karten oder ein Navi. Er weiß einfach, wo er hinfährt. Für uns sieht vieles gleich aus. Schon bald merken wir, daß unsere Idee nochmal herzukommen, eine sehr gute war. Wir haben in der kurzen Zeit schon mehr gesehen als beim ersten Mal mit den anderen. An roten Dünen halten wir an, mühen uns nach oben und haben eine hervorragende Aussicht. Eine Düne weiter überrascht er uns und holt ein Snowboard von seiner Ladefläche.

Zeit für Sandboarding, meint er. Die Düne ist nicht so hoch und auch nicht so steil. Er sagt, ich solle mich auf das Brett setzen und herunterschlittern. Als Snowboarder geht das für mich nicht und ich stelle mich mit nackten Füßen einfach in die Bindung. Es geht sehr langsam nach unten. Da muß etwas steileres her. Wir fahren weiter und sind in dieser fantastischen Landschaft die einzigen soweit das Auge reicht. Immer mal wieder halten wir an, besteigen ein paar Felsen und lassen den Ausblick auf uns wirken.

An einer weiteren höheren und steileren Düne unternehmen wir den nächsten Versuch des Sandboardings. Der Aufstieg ist kraftzehrend und schweißtreibend. Meine Fußsohlen brennen in dem heißen dunklen Sand und ich muß Pausen unterwegs einlegen. Im tiefen Sand nach oben zu laufen, fühlt sich an wie drei Schritte vorwärts und zwei zurück. Irgendwann stehe ich schwitzend oben. Klein wirkt der Pick-Up unten. Etwas Luft schnappen, den Puls ein wenig senken und wieder rein in die Bindung stellen.

Der Start ist langsam, aber wenn man mal ins Rutschen kommt, wird es immer schneller. Ich gleite hinunter. Ohne in der Bindung festgeschnallt zu sein, ist Lenken nicht wirklich möglich und so fahre ich mit Karacho aufs Auto zu. Kurz davor schmeiße ich mich in den Sand zum Bremsen. Richtig Spaß hat es gemacht. Danach soll es Sabrina probieren. Sie läßt sich überreden, merkt aber auch schnell, wie anstrengend der Aufstieg ist und bekommt nicht mehr richtig Luft und es brennt in der Lunge. Sie ist nicht ganz oben, setzt sich drauf und kommt dann runtergeschlittert. Das reicht.

Schließlich ist es mittlerweile richtig heiß. Der Fahrtwind im Auto tut jetzt gut. Als nächstes halten wir an einem Berg, durch den eine kleine Schlucht auf die andere Seite führt. Der Abu Khasaba Canyon. Unser Führer setzt uns hier ab, erklärt uns den Weg und fährt auf die andere Seite und wartet dort auf uns. Wir bahnen uns unseren Weg auf dem immer enger werdenden Pfad und gegen Ende müssen wir sogar über Steine und Felsen klettern, um hochzukommen. Eine weitere unwirkliche Szenerie.

Am Scheitelpunkt angekommen, wird die Schlucht wieder etwas weiter und es geht im Sand bergab. Die ganze Zeit waren wir allein hier, jetzt kommen uns zwei Leute entgegen. Ein toller kleiner Marsch war es. Jedes Mal eine schöne Kombination aus Anstrengung und Ausruhen beim Weiterfahren. Als nächsten Stop peilen wir den Um Frouth Rock Arch an. Ein bekannter ca. 30 Meter hoher Sandsteinbogen, ähnlich den Arches in Utah. Vom Beduinenzelt unten rechter Hand, führt ein Kraxelpfad hinauf auf den Felsen und von dort kann man auf die Brücke laufen.

Das muß ich machen! Ich entscheide mich für Barfuß. Sabrina hat ihre Bedenken und bleibt unten. Ganz allein sind wir hier und ich stehe in der Mitte des Bogens und kann weit in alle Richtungen blicken. Einmalig. Coole Bilder inbegriffen. Als ich runterklettere, sind andere Leute angekommen und wir pausieren im Beduinenzelt bei Tee. Ein Souvenir erstehen wir auch noch. Kurze Fahrt später Halt an der Little Bridge.

Ein weitere kleine dünne Felsenbrücke. Der Aufstieg ist wieder mit klettern und kraxeln verbunden, aber etwas einfacher als vorhin. Eid und ich gehen hoch. Ich laufe über die Brücke, die hier oben ganz schön dünn wirkt, bis ganz nach vorne ans Ende des Felsens. Von hier kann man weit ins Wadi Rum blicken und fühlt sich ganz klein und unbedeutend. Eid macht schöne Fotos, die er mir später zukommen läßt. Hier oben treffe ich zwei Kanadier, denen mein Band T-Shirt gefällt und wir kommen ins Ratschen. Mit einem Tipp für eine neue Band, verlassen wir den Felsen wieder und trinken unten im Beduinenzelt noch einen Tee.

Von der Little Bridge aus ist es nicht weit zum Khazali Canyon. Eine hohe enge etwa 100 Meter lange Schlucht, die dem Siq in Petra ähnelt. Prähistorische Felszeichnungen und Petroglyphen sind hier in den Stein geritzt sowie auch Markierungen der Nabatäer. Mit Eid zwängen wir uns in den wirklich engen Pfad hinein. Tiefrotes Gestein und oben blitzt der blaue Himmel durch. Ein schönes Farbspiel hier drinnen. Es ist jetzt schon etwas mehr los.

Gegen Mittag wird es generell etwas voller im Wadi Rum. Deswegen hatte Eid uns auch früh hierher bestellt. Danach fahren wir zurück Richtung Village und halten auf dem Weg noch bei Lawrence Quelle an. Hier tritt oben auf dem Berg in einigen Metern Höhe eine Quelle aus dem Stein ans Tageslicht und befüllt unten verschiedene Tröge aus denen Tiere trinken können. Momentan führt sie wenig Wasser, aber wenn es regnet, kommt ein ganzer Schwall von oben herunter.

Es wachsen hier Büsche und sogar ein paar Bäume. Ein Kontrast zu dem roten Rest. Angeblich machten Lawrence und seine Männer im ersten Weltkrieg hier regelmäßig Station, um zu trinken. Es wäre nicht verwunderlich, denn das Haus von Lawrence ist nicht weit entfernt. Von ihm stehen aber nur noch ein paar Steine an einer Felswand. Im Wadi Rum Village endet dann unsere spektakuläre Tour und wir haben in etwas mehr als vier Stunden sehr viel gesehen. Man kann auch eine Tagestour buchen mit noch mehr Sehenswürdigkeiten und auch einen Kamelritt und ein Mittagessen in der Wüste sind wählbar.

Es gibt viele Wanderwege und auch Klettern mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden ist hier möglich. Ein Aufenthalt von ein paar Tagen wird bestimmt nicht langweilig. Mit Eid fahren wir noch zu ein paar Bekannten ins Village auf der Suche nach einem weiteren Kennzeichen. Eins finden wir noch allerdings in einem sehr schlechten Zustand. Dann bringt er uns wieder zu unserem Auto und wir fahren zurück Richtung Aqaba. Wieder kein Problem am Checkpoint, wir werden durchgewunken und fahren direkt ins Hotel. Das Auto geben wir morgen wieder ab und fahren dann mit dem Shuttlebus zurück.

Als wir den Rest des Spätnachmittags wieder am Strand auftauchen, werden wir nach unserer Unternehmung gefragt und auf einmal herrscht großes Interesse bei Leuten die vor ein paar Tagen noch dafür gestimmt hatten bloß nicht zu viel Zeit im Wadi Rum zu verbringen. Es wird sich informiert und ein Aktionismus entbrennt und später erfahren wir, daß sie sich ebenfalls dort, bei unserem Guide, eine Tour für den nächsten Tag gebucht haben. Sie lassen sich gegen Aufpreis sogar hier im Hotel abholen und wieder zurückbringen. Wir schütteln mit dem Kopf und denken uns unseren Teil. Die restlichen Tage genießen wir noch das Ambiente unseres Hotels und den Strand samt Meer.

Aqaba-Amman-Frankfurt
Wir werden um 6:30 Uhr vom Hotel abgeholt und zum Flughafen nach Aqaba gefahren.

Dieser liegt am Rande der Stadt in unmittelbarer Nachbarschaft zur israelischen Grenze. Um 8 Uhr sitzen wir im Flieger nach Amman, des einzigen Inlandsfluges von Royal Jordanian. Keine ganze Stunde dauert der Flug in die Hauptstadt, es wird aber ein Frühstück serviert. Wir können dabei links von uns noch einmal schön das Tote Meer von oben betrachten. Am Queen Alia Airport steigen wir um und machen uns auf den Rückflug nach Frankfurt.



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