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Mit dem Auto nach Westafrika

  • behrmannholger
  • 16. Jan.
  • 54 Min. Lesezeit

Rallye Aschaffenburg – Banjul Februar 2024


Ein Abenteuer, von dem wir schon 15 Jahre sprechen, wird endlich in die Tat umgesetzt. Die Teilnahme an der Dresden-Dakar-Banjul Rallye. Seit 2006, als ich das erste Mal für das WFP in Gambia war, keimt in uns die Idee diesen Trip auch einmal fahren zu wollen. 2023 fangen wir mit der Anmeldung und Planung der Reise an. 7500 Kilometer mit dem Auto bis Westafrika, klingt spannend und ist es auch. Es wird im Vorfeld viel besprochen und organisiert. Das Wichtigste, ein Auto muß her. Nicht zu alt, nicht zu neu aber zuverlässig und brauchbar für alle Gegebenheiten, die uns auf der Tour erwarten und in dem drei Personen samt dem ganzen Gepäck und der Ausrüstung Platz finden. Bernd bot an, seinen Landrover Freelander 2 dafür zu „opfern“ da er eh mit dem Gedanken spielt, ihn auszutauschen und ein neues Fahrzeug anzuschaffen. Das ist natürlich das perfekte Vehikel für solch ein Vorhaben. Allrad, Geländegängig, etwas höhere Federn usw.  und 12 Jahre alt. Punkt um, das war es! Im Winter 2023 besorgen wir uns einen robusten Dachgepäckträger, modellieren diesen etwas um und testen ausgiebig die Lademöglichkeiten des Autos.

Ein Brett im Heck des Fahrzeugs wird eingepaßt um zusätzlichen Stauraum zu schaffen.

Fazit, alles, was wir brauchen und mitnehmen wollen, paßt ohne große Mühe rein und auch obendrauf. Es gibt immerhin die Vorgabe Ersatzräder und Reifen mitzunehmen, Ersatzkanister und einiges mehr. Dann holen wir noch einige Sponsoren mit ins Boot, um die Sache für einen guten Zweck zu unterstützen und auch unsere Kosten etwas zu minimieren. Wir haben tolle Firmen und Leute gefunden, die sofort bereit sind, ein solches Vorhaben zu unterstützen. Ersatzräder auf Felge und Reifen sowie Luftfilter und Dieselfilter kommen vom Autohaus Nees, 130 Liter bester HVO-Sprit (synthetischer Diesel) kommen von der Spedition Schuck. Tolle Teamshirts und Kapuzenjacken mit unserem eigenen Aufdruck kommen von Spessart Textil und nochmal 30 Liter Diesel von der Aral Tankstelle. T-Shirts und 1 Kasten Bier plus zwei 5L Fäßchen gibt es von der Brauerei Schwind. Einen kompletten mobilen Gasgrill samt Zubehör gibt es von Skotti. Des Weiteren durften wir im Vorfeld Spendendosen an der Tankstelle Togo, beim Frisör Studio Classico und im Artgerecht Aschaffenburg aufstellen. Das gesammelte Geld hilft uns bis zur Fähre. Vielen Dank dafür! Fehlende Impfungen werden bei dem ein oder anderen nachgeholt, Internationale Führerscheine angefordert, E-Simkarten organisiert. Wir haben Packlisten erstellt, um nichts zu vergessen und nicht alles doppelt zu haben. Schlafsäcke, Zelt, Isomatte für die Wüste müssen eingepackt werden etc. Das Auto wird noch einmal durchgecheckt. Am Tag vor der Abfahrt tanken wir alles voll und somit kann es früh losgehen.  

    

Tag 1: Route D-Niedernberg-Stockstadt-Laufach- F-Beynost (Lyon) 770 KM


Bernd kommt aus Niedernberg und holt mich in Stockstadt ab, in Laufach sammeln wir Alex ein und los geht's. In Hösbach merken wir, daß die Bluetooth Musikbox fehlt und drehen wieder um. Dann aber bei bestem Februar Schmuddelwetter los. Problemlos schnurrt der Landrover über die A5 durchs Markgräflerland, wo sogar die Sonne rauskommt und uns auf der A36 im Elsaß ein Stück begleitet. Dann ist es damit vorbei und es wird grau und kühl.

Die Autobahn ist in Frankreich größtenteils leer und wir kommen gut voran. Wir vertreiben uns die Zeit mit dem Zählen von Prima Frio LKWs auf der Gegenseite, die Südfrüchte aus Portugal und Spanien nach Deutschland bringen. Bei 40 hören wir dann irgendwann auf. In Beynost, einem Vorort von Lyon angekommen, beziehen wir zu dritt ein winziges Motelzimmer. Das Haus besteht aus auf,- und aneinandergebauten Kunststoffcontainern. Die Dame am Check-In teilt uns ihre Besorgnis ob unseres Dachgepäcks mit und ob es morgenfrüh noch da sein wird. Wir haben extra ein Motel mit Parkplatz und Zaun ausgesucht. Das heißt hier aber nichts, erklärt sie uns und auch die Kameraüberwachung stört etwaige Gauner anscheinend wenig.

Wir parken direkt vor unserem Fenster und werden heute Nacht ab und zu ein wachsames Auge darauf werfen. Es hieß vorab, die unsichersten Länder auf der Reise wären Frankreich und Spanien. Wir fahren nochmal zum örtlichen Einkaufszentrum und decken uns im Supermarkt mit ein paar Sachen für die nächsten Tage ein.     


Tag 2: Route F-Beynost- AND-Andorra La Vella 780 KM    


Am nächsten Morgen sind unsere Sachen alle noch da und wir sind froh diesen nicht schönen Speckgürtel um Lyon verlassen zu können.

Ein spartanisches Frühstück im Motel und dann geht es bei grauem Februarwetter um 8 Uhr los. Der HVO-Sprit tut dem Fahrzeug merklich gut. Er fährt so leise und geschmeidig wie noch nie. Nach einer Stunde Fahrt bessert sich das Wetter und die Sonne kommt raus. Sofort wird es merklich wärmer. Die erste Pause machen wir am malerischen Pont du Gard, einem römischen Wasserkanal über den gleichnamigen Fluß von 50 v. Chr.

Schön gelegen in einem weiten Tal laufen wir die Anlage bei mittlerweile bestem Wetter ab. Es ist Sonntag aber wir treffen auf wenig Besucher. Einen Ort nebenan hat der Supermarkt bis 12:30 Uhr offen und wir holen uns Proviant zum Mittagessen. Danach machen wir uns via Carcassonne auf den Weg in die Pyrenäen. Das Wetter ist super, Sonne 20 Grad. Durch schöne Landschaften geht es immer höher in die Berge. Die Sonne bleibt, die Temperaturen fallen wieder ein wenig. Nach vielen Serpentinen erreichen wir die Schneegrenze und reisen in Land Nr. 2 ein. Andorra. Das kleine Fürstentum in den Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien gelegen, überrascht uns. Die Skigebiete weiter oben haben nur sehr wenig Schnee. Viele Häuser sind im Stil alter Steinhäuser gehalten.

Die Hauptstadt glänzt mit tollen Gebäuden, großer Einkaufsstraße, Fußgängerzone und zollfreiem Einkauf. Alles ist gepflegt und sehr sauber. Wir haben ein nettes Zimmer in einem kleinen Hotel. Sogar einen der drei Parkplätze haben wir ergattert.  Alex bleibt dort und Bernd und ich begeben uns in die Stadt und schlendern einmal durch Andorra La Vella. Abendessen gibt es dann beim Mexikaner um die Ecke.  Später am Auto sehen wir, daß wir ein „E“ von Auto Nees verloren haben. Der Sponsorenaufkleber klebt vorne an unserem Dachträger.

 


Tag 3: Route AND-Andorra La Vella-E-Cartagena 807 KM 


Früh geht es in Andorra los mit Fahrzeugcheck und Tanken.

Der restliche HVO aus den Ersatzkanistern fließt in den Tank und wir befüllen alle wieder mit dem hier merklich günstigeren Diesel als in Spanien oder Frankreich.

Damit sollten wir bis zur Fähre nach Marokko kommen. Bergab geht es aus den Bergen durch Täler, die rauchgeschwängert durch die Holzheizungen, verschleiert die Sonne aufgehen sehen. Bei zwischenzeitlichen Minusgraden reisen wir in Land Nr. 3 Spanien ein und fahren Richtung Kloster Montserrat. Ein durchaus sehenswerter Ort, besticht eher durch die imposante Felsformation als durch die eigentliche Benediktinerabtei, die an dem Massiv errichtet wurde.

Einen großartigen Ausblick hat man von dort ins Tal und weit in die umliegende Landschaft. Der Parkplatz dort oben ist voll und Busse mit Tagestouristen aus Barcelona mühen sich die Straße hoch. Unser Auto erntet einige neugierige Blicke. Von Montserrat geht es weiter via Barcelona Richtung Süden mit dem Ziel Murcia weiter südwestlich. Lange karge Landschaften wechseln sich ab mit den großen Anbaugebieten aller Art von Obst und Gemüse um Valencia. Während der Fahrt testen wir unsere Funkgeräte, die dann in Afrika zum Einsatz kommen. Das Ziel Murcia, müssen wir durch Cartagena aufgrund eines Buchungsfehlers unsererseits für eine Unterkunft, ersetzen. Somit haben wir heute mehr und morgen 50 KM weniger zu fahren.

In Cartagena suchen wir lange nach einem passenden Parkplatz. Die Tiefgaragen haben eine Höhe, in der wir aufgrund unseres Dachträgers nicht reinpassen und das Apartment liegt zentral in der Stadt ohne Anfahrtsmöglichkeit und Parkplatz.

Wir entscheiden uns für einen Parkplatz an der Straße gegenüber einiger Geschäfte. Joggende Passantinnen raten uns hiervon ab aufgrund der Sachen auf unserem Dach. Der Herr aus dem Optikergeschäft gegenüber wohnt über seinem Laden und verspricht uns immer mal aus dem Fenster und nach dem rechten zu schauen.

Wir versuchen so viel wie möglich mitzunehmen und hoffen wieder mal das Beste. Den restlichen Sprit aus den Kanistern füllen wir in den Tank, so stehen nur die leeren Behälter auf dem Dach.

Das Maisonette-Apartment ist schön groß und sehr zentral gelegen. Cartagena ist, trotz des großen Hafens und der Marinebasis, etwas verschlafen und Tourismus gibt es hier wenig. In der Innenstadt stehen viele baufällige unbewohnte Häuser oder eben welche, bei denen vorne nur noch die alte Fassade gestützt steht. Wir verbringen den Abend in einer netten rustikalen Tapasbar.  

  

Tag 4: Route E-Cartagena-GIB-Gibraltar 530 KM


Losgefahren sind wir in Cartagena bei kühlen 10 Grad. Es ist diesig, fast neblig und das bleibt eine Weile so, bis die Sonne aufgeht.

Dann verschwindet der Dunst, es klart auf und wird gleich deutlich wärmer. Direkt an der Küste geht es auf der A7 weiter Richtung Südwesten. Auf der Hälfte der Strecke reiht sich Plastikplane an Plastikplane. Gewächshäuser und überspannte Felder mit Erdbeeren, Kirschen etc. die wir zu jeder Jahreszeit in unseren Supermärkten kaufen können.

Selbst auf dem Navi sieht das surreal aus da keine Landschaft mehr zu erkennen ist. Der massive Obst,- und Gemüseanbau hat einen enormen Wasserverbrauch in dieser eigentlich kargen Gegend. Allerdings ist er auch der Motor der Wirtschaft dieses Gebiets. An einer Raststätte treffen wir auf Team „Alter Schwede“ die uns auch bald darauf wieder überholen. Nicht mehr lange und wir erreichen Gibraltar, diesen mächtigen Felsen, der Stadt und „Staat“ gleichzeitig ist. Imposant thront er am Ende der Landzunge, als wir von Algeciras kommend

draufzufahren. An der Grenzkontrolle ist wenig Betrieb und nach kurzem Blick in unsere Pässe, dürfen wir in Land Nr. 4 einfahren. Leider bekommen wir keinen Stempel, denn EU-Pässe werden nicht gestempelt erklärt der Beamte auf meine Nachfrage.

Über die Landebahn des Flughafens fahren wir Richtung Gibraltar Stadt. Sollte ein Flugzeug auf dem Weg sein, geht einfach die Schranke runter und man wartet, bis der Flieger vorbeigerollt ist.

Wir fahren zu unserem Hotel und bekommen sogar einen Parkplatz direkt vor der Türe. Platz ist in Gibraltar Luxus und somit sind wir glücklich und wissen, daß unser Dachgepäck heute sicher sein sollte. Es ist früher Nachmittag und zu Fuß machen wir uns auf durch die Stadt zur Seilbahn. „The Rock“ ist spektakulär und die Sicht einmalig.

Bei bestem Wetter haben wir von dort oben einen fantastischen Blick in alle Richtungen und auch auf das Afrikanische Festland. Kein Wunder, daß die Engländer das hier zur Festung ausgebaut haben und es sich bis heute in „deren Besitz“ befindet. Die Berberaffen dort oben, das Mediterrane, die Mischung aus England und Spanien ist allemal sehenswert.

Wir treffen oben auf zwei weitere Rallyeteams, die „Bergischen Löwen“ und die „Ühü-Brothers“. Nach kurzem Plausch laufen wir noch ganz nach vorne zu den Aussichtspunkten und dürfen sogar kurz ohne Eintritt zu zahlen in die Batterys reinschauen.

Die teils unterirdisch gelegenen Gefechtsstände mit riesigen Kanonen. Zu Fuß gehen wir über unzählige Stufen den Berg wieder runter bis die Knie wackeln. Bewegungsziel erreicht. Auch hier begleiten uns wieder einige der Äffchen. Hier lebt die einzige Affenpopulation frei auf europäischem Boden. Abends treffen wir noch einige Vorbereitungen für die morgige Fährüberfahrt und zum Abendessen gibt es in einem traditionellen Lokal Fisch und Chips.   



Tag 5: Route GIB-Gibraltar-E-Algeciras-MA-Tanger Med-Chefchaouen 140 KM


Unruhe im gesamten Rallyetross gestern noch bis spät in die Nacht, da nicht klar war, ob es alle Teams rechtzeitig in den Hafen schaffen werden.

Um Granada gab es große Blockaden mit entsprechenden Staus aufgrund demonstrierender Landwirte mit ihren Traktoren. Auch in Spanien, nicht nur bei uns. Gegen 23:30 Uhr gab es dann Gewißheit, alle werden es rechtzeitig bis zur Fähre schaffen. Auch Team Quattro wird da sein und die Reise fortsetzen können. Ihnen war der Paß eines Insassen „abhanden“ gekommen. Auf der Autobahn wurden sie von einem vorbeifahrenden Fahrzeug darauf aufmerksam gemacht, daß mit ihrem Reifen hinten etwas nicht stimmen würde.

Sie haben angehalten, sind ausgestiegen und haben nachgeschaut. In der Zeit hat ein Komplize des „aufmerksamen“ Fahrers des überholenden Autos den Rucksack aus dem Audi vom Rücksitz geklaut. Darin Wertsachen und Ausweis. Der Klassiker in Spanien. Wie oft liest man von diesem Trick. Sie haben es danach geschafft im deutschen Konsulat in Malaga sich ein Ersatzdokument ausstellen zu lassen und somit kann auch für sie die Reise weitergehen. Wie war das am Anfang? Die unsichersten Länder der Reise sind Frankreich und Spanien! Wohl wahr. Früh umrunden wir mit dem Auto den Felsen einmal komplett und reisen dann wieder aus Gibraltar aus,- und in Spanien wieder ein. In Algeciras nutzen wir die Möglichkeit uns das letzte Mal in einem europäischen Supermarkt mit allem Möglichen (Wurst aus Schwein, Bier, usw.) was es in Marokko nicht mehr so einfach gibt, einzudecken.

Dann klingelt das Telefon. Die anderen wären schon alle im Hafen und würden warten. Dort angekommen, wird sich ausgetauscht und es gibt einige Informationen zur Einreise mit Fahrzeug nach Marokko. Die meisten anderen Teams sehen wir hier zum ersten Mal. Afrika fängt bereits im spanischen Hafen an. Ewiges warten auf die Fähre, die dann um 15:45 Uhr ablegt, statt wie geplant um 13 Uhr. Bei gutem Wetter verlassen wir Europa und schippern über die Meerenge von Gibraltar nach Tanger Med in Marokko. An Deck gibt es noch ein Gruppenfoto.

Wir verbringen die 1,5 Stunden Fahrt meistens an Deck. Die Einreiseformalitäten für Personen finden bereits während der Fahrt auf dem Schiff statt. Einreise in Land Nr. 5. Nach dem Anlegen auf dem Afrikanischen Kontinent stehen wir ewig beim marokkanischen Zoll. Dieser kontrolliert akribisch einige Autos. Es ist z.B. verboten, Drohnen einzuführen. Unsere haben wir sehr gut versteckt. Wir werden durchgewunken, heißt aber nicht, daß die Fahrt losgeht, sondern wir brauchen erst noch eine Autoversicherung für Marokko. Die gibt es für 10 Tage direkt nebenan an einigen Buden zu erstehen. Um 18:55 Uhr haben wir die Versicherung abgeschlossen, haben Geld getauscht und machen uns auf die 120 KM-Fahrt zum heutigen Zielort.

Nach den ersten Begegnungen mit Tieren, unbeleuchteten Fahrzeugen und Personen im dunklen auf der Fahrbahn, erreichen wir um 21 Uhr Chefchaouen, die blaue Stadt, die uns pechschwarz empfängt. Wir fragen in einem kleinen Hotel nach Zimmern, aber es ist alles belegt. Gegenüber sitzt ein Herr an einer Art Grillimbiß und bietet uns sein Haus zum Übernachten an. Wir schlagen zu, bezahlen umgerechnet 20,- Euro für das ganze Haus zu dritt. Das Auto steht etwas entfernt auf einem öffentlichen Parkplatz. Alles bleibt auf dem Dach. Ein langer Tag mit wenig Kilometern geht spät zu Ende.  


Tag 6: Route MA-Chefchaouen-Marrakesch 568 KM


Die Nacht war kalt. Die Häuser hier haben größtenteils keine Heizung. Dort oben in den Bergen ist es auch im Februar sehr frisch. Wieder starten wir sehr früh.

Es dämmert gerade, als wir in die Medina von Chefchaouen laufen. Der Vorteil daran, wir haben alles für uns allein. Kurze Zeit später färbt sich der Himmel in die schönen Farben eines langsamen Sonnenaufgangs. Es wird hell und die Stadt erstrahlt in ihrem

bekannten Blau. Außer einem Rudel Hunde das uns begleitet, sind wir die einzigen in der Altstadt. Wann hat man das dort schon? Der Besuch ist allerdings ein kurzer. Wir müssen los. Heute sind noch einmal über 500 KM bis Marrakesch zu bewältigen.

Über endlose Landstraßen geht es durch einsame Gebiete und kleine Ortschaften Richtung Küste. Eine Hauptaufgabe der marokkanischen Polizei ist es, Verkehrskontrollen durchzuführen und zu blitzen. Überall lauert eine Radarpistole oder ein Blitzer. Der Versuch, etwas Zeit gutzumachen, wird jäh unterbrochen. Rausgewunken, Foto gezeigt bekommen, 72 statt erlaubten 60 gefahren, macht einmal 150 Dirham bitte! Umgerechnet 15 Euro.

Der nette Polizist fragt noch wo wir hinwollen, plaudert ein wenig und wünscht eine gute Fahrt. Die Mittagspause haben wir in Casablanca angedacht. Also rein, mitten in und durch die Stadt. Ein chaotischer, lauter Verkehr, in dem wir einfach mitschwimmen und uns der einheimischen Fahrweise anpassen. Links vorbei, rechts vorbei, aus zwei Fahrspuren mach drei, ab und zu hupen, bloß nicht blinken. So fahren wir ganz durch bis ans Meer zur weltbekannten Hassan II Moschee. Wir fahren bis fast vor die Tür, stellen das Auto in einer Seitenstraße ab, drücken dem Tankwart gegenüber 30 Dirham in die Hand, mit der Aufgabe darauf aufzupassen. In dem Viertel mit winzigen Marktständen, zieht unser Auto doch den einen oder anderen Blick auf sich und wird beäugt.

Dann kommt immer der Daumen hoch und ein nettes Lächeln. Wir laufen an der Promenade etwas auf und ab, schauen uns um. Viele Leute bummeln hier entlang und schauen aufs Meer oder genießen ihre Mittagspause. Besichtigen können wir die Moschee nicht.

Sie öffnet erst später wieder für das touristische Publikum. An einem Straßenstand erstehe ich gegrillten Fisch und Auberginen, Bernd und Alex trauen dem Braten nicht und wollen lieber in einem Fastfood Restaurant etwas essen.

Wir müssen weiter. Auf der Ausfallstraße entdeckt uns ein Mercedes Vito Fahrer und spielt in einer infernalen Lautstärke die deutsche Nationalhymne in seinem Auto ab und winkt und lacht und freut sich. Wir finden das sehr amüsant und winken fröhlich zurück. Mit Blick auf die Uhr, wir wollen noch im Hellen in Marrakesch ankommen, machen wir uns auf den Weg. Kurz hinter Casablanca ändert sich die Landschaft schlagartig und es wird wüstig. Auf der Autobahn entdecken wir weitere Rallye Teams. Marrakesch erreichen wir kurz vor 19 Uhr. Rein in das wuselige

Verkehrschaos der zweiten Großstadt. Kurze Zeit später haben wir es geschafft und fahren mit unserem Vehikel in die sehr geräumige, hohe Tiefgarage des Hotels.

Was ein Luxus, das Auto so gut und sicher abstellen zu können. Unser Zimmer in der fünften Etage verfügt über einen Balkon und somit können wir dem ganzen interessanten Verkehrstrubel von oben zuschauen. Sehr kurzweilig, da das Hotel direkt an einer Kreuzung zweier sechsspuriger Straßen liegt.

Das erste 5L Fäßchen Schwindbräu kommt dabei zum Einsatz. Ein richtiger „Fernsehabend“.





Tag 7: Ruhetag in Marrakesch


Heute ist ein Ruhetag für Mensch und Maschine angesetzt. Wir können also ausschlafen. Allerdings ist für heute auch großer Regen angesagt und wir hoffen, noch trockenen Fußes zum Platz der Gehenkten (Jemaa el-Fnaa) zu kommen. Der Platz der ganz früher mal als Hinrichtungsstätte genutzt wurde. Das wird leider nichts, der Regen setzt früher ein. Wir machen uns trotzdem auf und fahren mit dem Taxi auf den weltbekannten Platz und schauen uns um.

Wegen des Wetters ist auf dem riesigen Areal relativ wenig los und so kommt man in den Genuß, sich nicht mit tausenden Touristen dort zu drängeln. Dafür allerdings mit Regenjacke. Wer die Bilder kennt oder selbst schon einmal dort war, weiß was hier normalerweise für ein Trubel herrscht. Marrakesch bei Regen erleben aber auch nicht viele.

Wir durchstreifen die ganzen Souks und erstehen ein paar Souvenirs. Einige Gebäude liegen immer noch in Schutt, durch das starke Erdbeben im September 2023. Alex kann nicht widerstehen ein paar überteuerte Bilder mit einer Kobra und sich machen zu lassen. Wir fahren ein kurzes Stück mit dem Taxi Richtung Hotel und halten in einem Viertel, in dem man marokkanischen Rotwein oder generell Alkohol kaufen kann. Das geht in Marokko nämlich nicht überall. Der lokale Rotwein ist hervorragend und hat eine lange Tradition. Angebaut wird das meiste in der Nähe um die alten Königsstädte Fes und Meknès die in dem landwirtschaftlich ertragreichsten Gebiet Marokkos liegen.

Wieder im Hotel, schüttet es dann ab Nachmittag nur noch und wir sind an unser Zimmer gebunden. Ein Rest richtiger Ruhetag. Wir nutzen die Umstände und packen etwas um und organisieren den Dachträger neu. Der Parkplatz in der Halle der Tiefgarage zahlt sich jetzt doppelt aus. Der Auto Nees Sponsorenaufkleber ist jetzt bereits zur Hälfte weg und wird kurzerhand durch Panzertape nachgeklebt.

Das Wetter macht uns einen Strich durch das Vorhaben abends nochmal auf dem Platz vorbeizuschauen und dort etwas Leckeres zu essen. Somit gehen wir trocken in das im Hotel befindliche Restaurant. Eine Lokalität in der noch geraucht werden darf ist mittlerweile etwas befremdlich und wir setzen uns nah an die offenen Fenster zur Straße hin. Wir gehen früh schlafen, denn morgen geht es sehr zeitig hoch in den Atlas. Weiterhin hört man kaum Probleme der anderen Rallyeteilnehmer, alles läuft, bis auf einen kurzzeitig streikenden Anlasser bei Team Malen & Bohren 1, wie am Schnürchen.  



Tag 8: Route MA-Marrakesch-Ait Ben Haddou-Inezgane 550 KM 


Ein früher Start ist heute mal wieder unumgänglich. Eine lange Strecke inklusive Atlasüberquerung wartet auf uns.

Es hat die ganze Nacht geregnet und auch jetzt tröpfelt es noch ein wenig. Die Straßen sind noch leer und schnell erreichen wir die Ausläufer des Gebirges. Alle Bäche und Flüsse führen viel Wasser und überall stehen große Pfützen auf den Straßen. Am Fuße des Atlas ist es bewölkt, neblig und kühl. Durch die schweren Regenfälle von gestern ist viel Gestein und Geröll sowie ganze Bäume heruntergekommen und teilweise sind die Straßen schwer zu befahren oder halbseitig durch herumliegende Gesteinsbrocken blockiert.

Manche Abschnitte sind komplett blockiert und wir müssen warten bis zumindest eine Seite von schwerem Gerät geräumt wird. Immerhin ist man hier schon fleißig am Werkeln. Wir wollen über den Tizi n` Tichka Paß und die gut ausgebaute Straße windet sich Kurve um Kurve in die Höhe. Die Ausblicke werden spektakulärer und die Schneegrenze ist durch das Unwetter gesunken. Die Höhenzüge des Atlas erstrahlen in gleißendem Weiß.

Wir erreichen den Paß und auf 2260 Metern lockert es auf. Es geht ein extrem starker, eisiger Wind, der uns beim Aussteigen die Türen aus der Hand reißt. 4 Grad sind es hier oben. Bei den widrigen Verhältnissen halten wir uns nicht lange auf und die Souvenirverkäufer gehen leer aus. Unsere Köpfe fühlen sich, obwohl wir nur kurz draußen waren, an, als hätten wir sie ins Eisfach gesteckt. Auf der anderen Seite des Passes scheint die Sonne.

Wir fahren durch unendliche Weite und Mondlandschaften, die aussehen wie der Südwesten der USA. Es wird wieder wärmer und schöner, je weiter wir runterfahren und als wir Ait Ben Haddou erreichen, ist Sommer angesagt. Die alte Berberstadt aus Lehm ist direkt an einen Berg gebaut. UNESCO Weltkulturerbe, in der schon viele bekannte Filme wie etwa Jesus von Nazareth gedreht wurden.

Wir durchstreifen die Gassen und erklimmen den höchsten Punkt, von wo man einen fantastischen Überblick hat und unten sich das hier nicht sehr wasserreiche Flußbett vorbeischlängelt. Am Ortsausgang essen wir in einer gemütlichen kleinen Bar unter Palmen ein leckeres Berberomelette. Dann ist Aufbruch angesagt, wir wollen noch nach Tafraoute, eine andere sehenswerte Stadt. Weiter geht es durch diese endlose menschenleere Weite bis auf einmal ein amerikanisches Diner mit Tankstelle im Nirgendwo auftaucht. Die Filmkulisse des Horrorfilms „The Hills Have Eyes“. Gespenstisch. Niemand da, nur wir. Wer den Film kennt, weiß ungefähr wie man sich jetzt fühlen sollte.

Die Kulisse wurde nach dem Dreh einfach stehengelassen und dient jetzt als Attraktion, wer weiß wo sie steht und als Pilgerstätte der Fans solcher Filme. Irgendwann, nach weiterer Fahrt, landen wir in irgendeiner seltsamen, nicht schönen Stadt und merken mitten in einem ausgetrockneten Flußbett, daß wir uns verfahren haben. Wir müssen unsere Pläne umwerfen und peilen Agadir als nächstes Ziel an. Nächtigen tun wir dann letztendlich in Inezgane, einem Vorort Agadirs direkt hinter dem Busbahnhof und in Rufweite der Moschee. Die Fenster sind ganz gut isoliert.  




Tag 9: Route MA-Inezgane-SH-El Ajun 660 KM          

   

Heute müssen wir nochmal richtig Strecke machen. Das Örtchen sowie außenrum ist nicht weiter sehenswert und dementsprechend früh geht es los.

Wir haben gestern Abend noch die hier gute Infrastruktur genutzt und uns im Supermarkt schonmal mit wesentlichem für die Wüste eingedeckt. Wasser und andere notwendige Dinge kaufen wir kurz davor aber ab hier gibt es sonst keine richtig großen Supermärkte mehr. Sobald wir aus dem Speckgürtel um Agadir raus sind, wird es spärlich mit allem.

Landschaftlich immer noch stark an den Westen der USA erinnernd, geht es nochmal über einen kleinen Paß im Antiatlas.


In dem kleinen Ort Sidi

Ifni werden wir wieder winkend von freundlichen Polizisten erwartet. Rechts ran, ein nettes Gespräch in gutem Englisch und diesmal zahlt Alex 150 Dirham für 71 statt erlaubten 60 KM/h.

Der Polizist entschuldigt sich nochmal für die Unannehmlichkeiten und wir dürfen weiter. Nach Guelmin wird die Landschaft immer karger und weiter. Die Temperatur steigt.

So geht es ewig weiter, bis wir irgendwann nochmal nach links abbiegen. Dann ist jetzt rechts der Atlantik und links die Wüste. Das bleibt für die nächsten 2000 KM auch so. Kurz vor Akhfenir eine weitere Polizeikontrolle. Kein Strafzettel aber wir werden dort zum ersten Mal nach einer Teamauskunft gefragt. Davon haben wir, dank vorheriger Info, 25 Kopien dabei. In dieser „Fiche“ sind alle Teilnehmer mit ihren Personenbezogenen Daten und Passnummern aufgeführt.

Das wird ab Eintritt in das Gebiet der Westsahara noch des Öfteren vorkommen. Nach ein paar Kilometern weiter, machen wir Halt an einem „Loch“ in der Steilküste. Der Ozean kommt durch eine kleine Öffnung durch und höhlt dort weiter den Stein aus. Das fast kreisrunde „Teufelsloch“ hat einen beachtlichen Durchmesser und wir umrunden es einmal zu Fuß. Hier treffen wir auch zufällig Team 1149 und wieder die „Alten Schweden“. Ein Stück weiter südlich erreichen wir Tarfaya, die vor der Annexion der Westsahara südlichste und westlichste Stadt Marokkos. Hier halten wir nochmal an der Küste, von wo man einen guten Blick auf ein bekanntes Schiffswrack hat. Die Assalama liegt direkt vor der Küste. 2007 wurde eine Fährverbindung zwischen Tarfaya und Fuerteventura aufgenommen. Im Frühjahr 2008 lief das Schiff bei Sturm aus und kollidierte mit der Hafenmauer.

Die dann manövrierunfähige Fähre wurde abgetrieben und lief auf Grund. Sie wurde aufgegeben und liegt seitdem dort und verrostet und verfällt zusehends. Die Verbindung auf die Kanaren fand somit ein jähes Ende und wurde seitdem nicht wieder aufgenommen. Es soll aber wohl wieder Bestrebungen geben, an dieser den Kanaren nähesten Stelle vom Festland die Verbindung neu aufzulegen. Kurze Zeit später, weiter südwärts, überqueren wir die Grenze zur Westsahara. Die ehemals spanische Kolonie wurde nach dem Abzug der Spanier von Marokko besetzt und gehört seitdem, zumindest aus marokkanischer Sicht, fest zum Staatsgebiet. Das ist international nicht unumstritten und die Freiheitsbewegung Frente Polisario der Sahauris lieferte sich in der Vergangenheit immer wieder mal Gefechte mit den Marokkanern.

Das ist hier ein sehr heikles Thema und sollte eher nicht angesprochen werden. Auch haben wir explizit darauf verzichtet, die Flagge der Westsahara mit in die Reihe der zu durchfahrenden Staaten auf unser Auto zu kleben. Wer das wagt, riskiert den Grenzübertritt von/nach Marokko verweigert zu bekommen, langwierige Verhandlungen mit der Polizei/Armee und der Aufkleber wird in jedem Fall entfernt. Unsere Fahrt geht weiter bis nach El Ajun (Laayoune), ehemalige Hauptstadt des Gebietes und führt uns nur noch durch Sand, Dünen, Geröll und ab und an spazieren ein paar wilde Dromedare durch die Szenerie. Ein kleines Hotel mit Wachmann, der nach dem Auto schaut, beherbergt uns für die Nacht und zum Abendessen lassen wir uns die vorzügliche lokale Küche schmecken.


Tag 10: Route SH-El Ajun-Dakhla 548 KM


Gestern Abend haben wir noch das Auto umgepackt und Einkäufe in Kisten auf dem Dach verstaut, um für die Wüste gerüstet zu sein. Heute fahren wir weiter die N1, die einzige befestigte Straße, weiter runter nach Süden.

Die Landschaft besteht aus gewellten Kies- und Geröllwüsten, vereinzelten Sanddünen und manchmal wasserführenden Trockenflußtälern, sogenannte Wadis. Links meistens nichts als Landschaft, rechts der Atlantik, den man nicht immer sieht und irgendwo dazwischen wir und die anderen Teams.

Außer der unendlichen Weite sieht man Kamele, ein paar kleine Ziegenherden, unzählige Strommasten und jede Menge Windräder sowie ein Stück des weltweit längsten Erzförderbands. Kurz nach Boijdur biegen wir ab und fahren eine unbefestigte Piste runter an den menschenleeren Strand. Dort liegt seit sehr langer Zeit ein weiteres Schiffswrack, von dem aber nur noch der Rumpf mit Bug vorhanden ist.

Die ganzen letzten Tage schon sind, sobald mal keine Steilküste da ist, die Strände einsam und leer. Leider sind sie aber auch vermüllt, das ist ja mittlerweile fast überall so. Unrat, den das Meer anspült und auf das Land spuckt. Die Errungenschaften der Zivilisation in Form von Plastik, Styropor, Flaschen und der ganze Abfall

der Hochseefischerei und Form von Körben und Netzen und Tauen usw. Traurig. An dem Abschnitt treffen wir wieder weitere Teams, tauschen uns ein wenig aus und machen uns dann wieder auf den Weg. Seit Tagen ist das Wetter immer gleich. Blauer Himmel, Sonne, leichter Wind und angenehme 25 bis 30 Grad.

Kurz vor dem Abzweig auf die Halbinsel nach Dakhla stoppen wir noch an einem interessanten Punkt, an dem die Steilküste teilweise eingebrochen ist. Das sieht aus wie eine nach einem Erdbeben eingebrochene Asphaltdecke. In diesen Nischen, Senken und Höhlen, haben sich Menschen angesiedelt, die dort windgeschützt unter Planen leben und hier fischen gehen. Nach Dakhla rein, führt eine schmale Landzunge, eine nette Lagune links und der Atlantik rechts. Dakhla ist Kitesurferparadies und unzählige sind auf dem flachen Wasser der Lagune.

Ein Stehrevier, besonders für Anfänger gut geeignet. Wenn man weiter in die Stadt reinfährt, passiert man unzählige Baustellen von Hotels und Apartmentanlagen, neue Straßenzüge und riesige Flächen. Hier entsteht, ähnlich wie in den Emiraten, eine komplett neue Stadt.

Sehr surreal nach tausend Kilometern Sand und Nichts. Marokko investiert in diese Gegend unfaßbar viel. Der Flughafen wurde ausgebaut und es gibt bereits Direktflüge aus Europa (Paris) und weitere sollen folgen. Ein Großseehafen entsteht und soll 2028 fertiggestellt sein. Ein neues Umschlagszentrum für die Fischindustrie und den Seehandel mit dem Rest Afrikas. Man festigt damit auch international den weiteren Anspruch auf dieses Gebiet. Würden wir nächstes Jahr wieder hier vorbeikommen, könnten wir es wahrscheinlich nicht wiedererkennen. In der Stadt und dem alten Teil Dakhlas angekommen, finden wir ein nettes Hotel und beziehen ein Zimmer mit Balkon. In der warmen Abendsonne bei einem Feierabendbier beobachten wir das Treiben auf den Straßen unter uns. Ein Tesla mit Offenbacher Kennzeichen hier zu sehen, erstaunt uns. Das einzige elektrische Fahrzeug seit Spanien. Wo doch kein Mensch hier E-Auto fährt und es überhaupt keine Ladesäulen oder ähnliches gibt.




Tag 11: Route SH-Dakhla-Bir Gandouz 317 KM


Heute ist ein Vorbereitungstag für die anstehenden Wüstenetappen. Auf dem großen Platz vor dem ehemaligen Hotel Sahara Regency gibt es für alle ein Briefing was die nächsten Tage ansteht.

Gefüttert mit Informationen geht es dann für einige Teams in die Werkstattstraße. Alle die noch kein Unterbodenblech haben oder sich vorab zu Hause eins haben anbringen lassen, müssen sich hier in die Obhut

marokkanischer Werkstätten begeben. Das sind, eine komplette Straße lang, kleine Garagenähnliche Gebäude in denen gehämmert, geschweißt, geflickt und natürlich repariert wird. Alles von Hand und ohne viel Hilfsmittel. Der Deutsche Tüv hätte die helle Freude an dem Geschehen und der Arbeitsschutz ebenso. Flipflops können auch Sicherheitsschuhe sein. Unser Landrover hat bereits so einen Schutz für den Unterboden und somit können wir dort den Arbeitern über die Schulter schauen.

Eine kurze Arbeitshose aus unserem Fundus wechselt den Besitzer und wird ab jetzt hier eingesetzt. In der Straße unterhalten wir uns nett mit einem sympathischen älteren Herrn, der uns stolz seinen W123 Mercedes von 1982 zeigt mit den Original-Serviceaufklebern und einer deutschen Telefonnummer im Handschuhfach.

Einen Kaffee in einer Bar an der Ecke später, machen wir uns auf zum großen Wasserkauf. Sechs Liter pro Tag für vier Tage für drei Personen macht 72 Liter Wasser. Wir kaufen 8 Sechserpack a 6x1,5 Literflaschen und verstauen diese zusätzlich. Jetzt ist das Auto richtig voll. Danach zur Tankstelle, das Auto und alle Ersatzkanister befüllen und den Freelander überprüfen. Der Tankwart freut sich. Anschließend fahren wir noch die 300 KM bis Bir Gandouz.

Wir durchqueren noch El Argoub und Imlili und ab jetzt sind weder Windkrafträder noch Strommasten zu sehen. Währenddessen überqueren wir den nördlichen Wendekreis des Krebses. Bis zum südlichen Wendekreis, befindet man sich in den solaren Tropen. Von hier, sind es 2609 KM bis zum Äquator. Es sind dazu parallele Breitenkreise. Ab hier steht die Sonne zur nördlichen Sommersonnenwende am Mittag im Zenit.

In der Zone zwischen den Wendekreisen steht die Sonne an jedem Ort zweimal im Jahr im Zenit. Außerhalb niemals. Würde man hier einen Pfahl in den Wüstensand schlagen, er würde keinen Schatten werfen. Wir erreichen den „Rasthof Barbas“ am frühen Abend und suchen uns ein Zimmer aus. Das ist wortwörtlich gemeint, denn der Herr am Empfang/Schalter/Kiosk/Theke gleichermaßen fragt uns, was wir gerne hätten.


Ein Zimmer mit Dusche und Toilette die funktioniert ist teurer als eins ohne. Wir schauen uns ein paar Zimmer an und entscheiden uns für zwei Räume. Eins mit Dusche und eins nur zum Schlafen. Der eine ohne sanitären Komfort, darf bei den anderen kalt duschen. Warmwasser ist sowieso nicht im Angebot.

Das nach vornhin komplett offene Gebäude hatte früher mal Potential und ist leider etwas runtergekommen.

Im Innenhof stehen hohe Palmen und Vögel zwitschern darin. Die Betten sind bequem aber die Zimmer sind etwas schmuddelig. Kein Problem für uns kurz vor der Sahara. Eine Tajine zum Abendessen und ein paar Bier draußen

mit vielen anderen Teams runden den Abend ab. Wir sitzen eine Weile zusammen, führen gute und lustige Gespräche und tauschen unsere Erfahrungen aus. Barbas dient als Treff,- und Sammelplatz für die gemeinsame Ausreise aus Marokko und die Einreise in Mauretanien. Dafür ist morgen der ganze Tag angesetzt.    


 

Tag 12: Route SH-Bir Gandouz-MR-Versteckte Düne 111 KM


Man weiß nie, was einen an der marokkanisch-mauretanischen Grenze erwartet, wieviele LKW dort stehen und wie lange die Wartezeit ist. Die Strecke von Bir Gandouz bis zur Grenze, genauer gesagt nach Guerguerat, ist nur sieben Kilometer.

Die Route der nächsten 4 Tage
Die Route der nächsten 4 Tage

Hier ist der einzige offizielle Grenzübergang der beiden Länder. Als wir ankommen, stehen dort schon einige LKW aber die PKW-Schlange ist übersichtlich. Wir stellen uns an und warten in der sengenden Hitze.

Hoffentlich kommen wir noch vor der Mittagspauseder Zöllner rüber. Die Moschee ruft zum Gebet, aber es tut sich wenig. Wegen des vollen Gewichts hängt unser Dachträger stark durch und kurzerhand schieben wir ein breites Brett vom Straßenrand darunter. Das stabilisiert zusätzlich. Irgendwann kommt Bewegung in den Tross und wir können zur Ausreise vorfahren.

Kontrolle hier, Fragen da, Anstellen für den Stempel, wieder warten. Der Zöllner bei der Ausreise fragt uns nach einer Flasche Wasser und erzählt, er habe einen Bruder in Essen. Wir dürfen schonmal ein Stück weiter ins Niemandsland fahren.

Ein zwei Kilometer breiter Streifen zwischen den zwei Ländern, bestehend aus einer Holperpiste aus Sand und Steinen und einem Haufen Müll.

Als wir alle an der mauretanischen Grenzstation angekommen sind, geht das Rumlungern weiter. Im Innenhof warten wir geduldig, bis die Computer der Behörde nach einem Ausfall wieder ihren Betrieb aufnehmen und wir in das „eine Zimmer“ gerufen werden. Dort nimmt man Platz auf einem uralten ausgesessenen Sofa und kommt sich vor wie ein kleines Kind, weil man so tief sitzt.

Der unfreundliche Beamte hinter einem schweren Schreibtisch zwischen hundert Kabeln fragt, macht Fotos und klebt ein riesiges Visum in unseren Pass, daß aussieht wie ein eigener Personalausweis. Einreise in Land Nr. 6. Draußen kontrollieren die Beamten die ersten Fahrzeuge. Die Einfuhr von Schweinefleisch oder Alkohol nach Mauretanien ist verboten. Man kennt sich hier, die Rallye kommt öfter vorbei und dann ist das auch schnell abgehakt. Hätten wir gewußt, was die anderen Teams an Bier oder Schnaps dabeihaben, hätten wir unsere paar Sachen nicht so gut versteckt. Alles in Allem dauert der ganze Prozess heute sechs Stunden.

Wie überall in Afrika dauert alles einfach lange und vieles ist sehr umständlich. Wir müssen uns sputen, denn wir wollen vor Einbruch der Dunkelheit noch unser Zeltlager aufbauen. Kurz hinter der Grenze sammeln wir noch unsere Beduinen auf. Einheimische Führer die uns die nächsten Tage den sicheren Weg durch die Wüste weisen. Ohne ihre Orientierung und Navigation inmitten des Nichts, wären wir verloren.

Ganz unauffällig schließt sich uns auch noch der PickUp der Nationalgarde an.

Sechs bewaffnete Polizisten begleiten uns die nächste Zeit ebenfalls. Hat die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für diese Grenze und die Gegend also irgendeine Bewandtnis? Als alle Teams durch sind, fahren wir noch ein wenig auf der schlechten Straße und biegen dann irgendwo rechts ab in den Sand. Die „alten Schweden“ fahren sich sofort fest.

Mit vereinten Kräften werden sie freigezogen und weiter geht es bis zur versteckten Düne. Eine riesige Sanddüne mitten im Nirgendwo an deren Fuß wir unser Lager aufschlagen. Der Wind bläst stark und wir haben Probleme das Zelt aufzustellen. Kaum ist die Sonne weg, wird es frisch. Wir sitzen noch ein wenig in der surrealen Umgebung, dann gehen alle früh schlafen, denn die ewige Warterei in der Hitze des Tages war ermüdend.   

 



Tag 13: Route MR-Versteckte Düne-Mitten in die Sahara weiter südlich 182 KM


Spätestens ab heute hat hier niemand mehr einen Handyempfang. Für die nächsten vier Tage spielen wir im größten Sandkasten der Welt und sind von der Außenwelt abgeschnitten.

Keine Sendemasten, keine Strommasten, keine Windräder etc. Nur Sand so weit das Auge reicht. Die Nacht war windig und sehr kühl. Wir haben nicht so gut geschlafen da der Wind die ganze Zeit am Zelt gerüttelt hat. Schnell ist aber die Sonne da und das Thermometer schnellt nach oben. Uns hat der Rappel gepackt und wir wollen mit dem Landrover hoch auf die Düne fahren.

Noch gestern Abend in der Dämmerung ist ein erfahrenes Team mit ihrem Audi Quattro dort hochgefahren und hat richtig Spaß gehabt. Das müssen wir auch machen, wenn wir schonmal hier sind und ein dafür geeignetes Gefährt dabeihaben. Also alles schwere vom Dach runter und aus dem Auto raus, an den Fuß der Düne gefahren, kurz die Lage gepeilt, eine passende Spur gesucht und dann Anlauf und Gas.

Der Landrover fährt problemlos hoch und von oben driften wir durch den Sand runter. Was eine Gaudi. Das fetzt richtig. Alex und ich fahren jeweils zweimal und der Rest der Truppe schaut zu und filmt und staunt und der eine oder andere überlegt, ob die Wahl des eigenen Autos die richtige war. Dann müssen wir aber los. Es gibt noch ein kurzes Briefing für alle Wüstenneulinge und das kleine Einmaleins der Sandfahrtechnik.

Alle Brocken wieder verstauen und ab geht es zuerst auf der grottigen N2 an verfallenen Hütten und Anzeichen von Ortschaften vorbei. Diese Straße ist die einzige Verbindung von der Grenze bis nach Nouakchott, der Hauptstadt Mauretaniens. Sie ist in einem sehr schlechten Zustand. Zum Glück fahren wir nur ein kurzes Stück dann geht es wieder in den Sand.

Wir fahren ewig über riesige weite Flächen geradeaus ins Nichts. Die Szenerie ähnelt in Etwa den riesigen Salzseen in Utah. Dem Ford der „Bergischen Löwen“ wird zu heiß und er verliert an Leistung. Für Abkühlung sorgt zuerst die Fahrt mit leicht geöffneter Motorhaube.

Als das nichts mehr hilft, wird kurzerhand die komplette Haube abgebaut.

Ein defektes Relais der Kraftstoffpumpe meldet sich ebenfalls und wird ersetzt. Nach erfolgter Reparatur geht es weiter immer der Sonne entgegen. Nur eine einzige Einsandung stoppt nochmal kurz die Fahrt und als es irgendwann Zeit wird, suchen wir uns ein gutes Plätzchen für ein Nachtlager.

Nur umgeben von Dünen und Sand in jede Richtung. Das sind schon sehr schöne spezielle Momente.

Unsere Rallye Paris-Dakar Darbietung von heute Morgen, begießen wir mit dem zweiten 5L Fäßchen Schwindbier und spülen uns den Sand aus der Kehle. Ein herrlich lauer Abend und die Füße im warmen Sand sitzen wir ewig draußen und genießen diese Freiheit und den unglaublichen Sternenhimmel.

Irgendwann spaziert ein Skarabäus unter unserem Tisch durch. Dann kommt doch noch etwas Wind auf und wir fallen müde in die Zelte.       






Tag 14: Route MR-Sahara-Nationalpark Banc d´Arguin 76 KM


Mittlerweile ist der Sand überall. In jeder Pore unserer Haut, zwischen den Zähnen, in den Haaren, im Gepäck und natürlich in jeder Ritze unserer Rallye-Fahrzeuge.

Jeden Morgen tragen alle den verursachten Abfall der letzten 24 Stunden zusammen, häufen ihn in einem vorher geschaufelten Loch auf, übergießen ihn mit Spiritus und dann wird er verbrannt. Das ist die einzige sinnvolle Methode.

Vieles verbrennt komplett, der Rest wird vergraben und ist durch die Hitze so zerstört, daß es sich mit der Zeit auflöst. Das Wasser nimmt ordentlich ab und wir bekommen wieder mehr Platz und verlieren Gewicht. Es ist heiß, schon früh morgens 30 Grad und die Temperatur klettert weiter. Wir fahren heute durch sehr abwechselndes Terrain.

Leichte gerade Passagen, schwere mit Tiefsand, Geröllbedeckte Flächen. Für den Freelander oder Ferlander wie er ab heute heißt, weil wir entdecken das sich der Versicherungsverkäufer in Marokko verschrieben hat, alles kein Problem. Vorbei an Dromedaren, lustigen Gewächsen und Knochen verendeter Tiere.

Manche davon schmücken sogar unser Auto. Immer mal wieder sandet ein Team ein und muß, mit einem Tau am Auto befestigt und ein paar Leuten zum Ziehen dahinter, befreit werden. Als wir weiter so dahinrattern, übersieht Bernd eine tiefe Bodenwelle und wir knallen mit voller Wucht rein, das Auto springt hoch und laut haut es die Stoßdämpfer bei der Landung komplett zusammen und wir fliegen im Landrover hin und her. Stop.

Anhalten und schauen ob noch alles ok ist. Über Funk informieren wir die anderen. Beim Umrunden des Fahrzeugs sehen wir, daß unser Dachträger komplett verschoben und auch aus der hinteren Halterung gesprungen ist. Das muß erstmal wieder alles gerichtet werden und dauert einen Moment. Das Auto hat es aber sonst gut verkraftet. Die Zeit nutzt auch Team „WW4/1“ um ihren undichten Scheibenwaschanlagenbehälter abzudichten. Bis zur Mittagspause müssen wir aber noch ein wenig fahren. Diese verbringen wir auf der Schattenseite des Fahrzeugs auf der Matte am Boden bei 42 Grad. Die trockene Hitze ist dennoch ganz gut auszuhalten. Der Vorteil, trotz viel Flüssigkeitsaufnahme müssen kaum Pinkelpausen eingelegt werden. Nach der Pause wieder Aufbruch, weiter geht´s.

Nach relativ kurzer Strecke durch eine schwere Passage, an der jedes Fahrzeug nur einzeln durchfahren kann, (Wer steckenbleibt, wird gleich mit vereinten Kräften freigeschoben/gezogen), streikt der „Alte Schwede“. Er zieht eine nasse Spur hinter sich her. Bei einem Hopser im Tiefsand ist der Kühler beschädigt worden. Wasser läuft heraus. Eine Not-OP muß her, sonst geht es nicht weiter. Es wird vorne alles abgebaut und der Kühler freigelegt. Dann wird getüftelt und improvisiert.

Ein Teebeutel kommt zum Einsatz, die undichte Stelle wird mit einem Dichtmittel geschlossen und mit einer aufgeschnittenen Bier,- sowie RedBull Dose ummantelt. Die Bierdose wird extra dafür geopfert und muß erstmal ausgetrunken werden. Dann wird alles mit Draht und Kabelbinder fixiert. Zum Glück hält alles und wir können noch ein kleines Stück weiterfahren bis zum Nachtlager. Weit ist es allerdings nicht mehr. In einer herrlichen Umgebung schlagen wir die Zelte auf.


Es ist schön mild, ein wieder mal unfaßbarer Sternenhimmel wie man ihn bei uns niemals sehen kann, leuchtet über uns und wir trinken eine Flasche Rotwein zusammen bei guten Gesprächen. Zeitig geht es ins Bett, morgen um 6 Uhr müssen wir aufstehen.


      


Tag 15: Route MR-Nationalpark Banc d´Arguin-Nouamghar 76 KM


Heute geht es, bedingt durch die Verzögerung des Volvos gestern, schon um 7:30 Uhr los. Wir müssen etwas Strecke machen, um rechtzeitig an den Strand zu kommen.

Es ist Tidenabhängig, ob dieser befahren werden kann. Zuvor müssen noch drei längere Dünen und schwierige Sandpassagen bewältigt werden. Dies gelingt uns mit wenigen Einsandungen, aber immer mal wieder fährt sich ein Team fest. Ein paar Kilometer weiter sehen wir bereits den Atlantik.

In dem Fischerdorf Nouamghar empfangen uns unzählige Kinder und betteln am Auto um allerlei Sachen. Jeder hat irgendwas dabei. Kleidung, Spielzeug, Bälle etc. Es wird darum gekämpft. Unsere Eskorte, die Gendarmerie, hält die Menge in Schach.

Die Wüstenguides begutachten den Strand und befinden ihn für gut befahrbar. Das ist er am Anfang auch. Einzeln fahren wir auf den Strand und am Wasser entlang. Die Gischt spritzt. Die letzten Kilometer bis zum Biwak unmittelbar am Wasser des Atlantiks haben es in sich. Der Sand ist sehr tief. Für unser Auto kein Problem, andere Teams tun sich deutlich schwerer und wühlen sich langsam vorwärts. Einige fahren sich fest. Der 7er BMW von Brendler/Guse brettert ganz unten direkt am Wasser lang und manchmal auch mitten durch. Das gibt auf jeden Fall coole Bilder.

Das Ziel ist, irgendwann einfach anzuhalten und den Rest des Tages am Strand zu genießen. Teilweise stoppen die Teams einfach dort, bis wohin sie es in dem tiefen Sand geschafft haben. Die nächsten 24 Stunden entschädigen uns etwas für die mühevolle Anreise. Es wird geangelt, gebadet, in den Dünen spaziert und die Zeit genossen. Wir machen ein Gruppenfoto mit (fast) allen und danach säubern wir großflächig den Strand denn auch hier ist alles ziemlich vermüllt. Heftig, was da an Menge zusammenkommt.

Jetzt sieht es hier aber richtig gut aus. Während wir uns mit unserem portablen Skotti-Grill das Abendessen zubereiten, sieht man draußen auf dem Meer immer mal wieder Delfine vorbeiziehen. Hier und da werden an einigen Autos ein paar Blessuren verarztet, denn das ganze Geholper beansprucht alle Teile enorm. Die letzten drei Flaschen Schwindbier runden das Abendessen ab. Kurz danach laufen ein paar Teams mit diversen Getränken im Angebot von Gruppe zu Gruppe und bieten Schnaps oder Gin-Tonic (mit Eis!!!!) an.

Wir nehmen dankend an und so wird der Abend etwas länger und wir unterhalten uns mit „Brendler/Guse“ und dem Team „Music&Sound“ lange in der lauen Nacht direkt am Atlantik. Wir schlafen nur mit dem Rauschen des Meeres etwas später ein als geplant.      







Tag 16: Route MR-Strand/Nouamghar-Nouakchott 242 KM



Um 9 Uhr sollte es eigentlich losgehen, weiter am Strand entlang bis zum nächsten Fischerdorf, um diesen dann dort zu verlassen und auf der Straße weiter in die Hauptstadt zu fahren.

Bei einer kurzen Erkundungsfahrt von Team „Quattro“ mit dem Audi und Alex mit unserem Auto wird festgestellt, daß uns eine große Düne, die sich bis zum Wasser erstreckt, im Wege ist. Wir müssen also zurück ins Dorf und eine andere Route nehmen. Der befahrbare Teil des Strandes zwischen Wasser, nassen Algen und trockenem Tiefsand sieht jetzt noch schmaler aus als am Tag zuvor.

Einige Autos müssen erstmal aus tiefem Sand befreit werden. Nur der 7er BMW will partout nicht anspringen. Der Anlasser will nicht mehr und ist wohl vom Salzwasser korrodiert. Die ersten Teams machen sich schon auf den beschwerlichen Weg Richtung Dorf als am BMW immer noch von Markus (Bergische Löwen) geschraubt wird. Wir bleiben auf Anweisung mit als Backup zurück aufgrund unseres Allradantriebs. Den schmalen Grat zwischen dem Versuch nicht durch das Salzwasser des Atlantiks zu fahren und gleichzeitig nicht im Tiefsand stecken zu bleiben, meistern fast alle anderen Teams irgendwie nach und nach und stehen dann wartend im Ort. Nur der Transit der „Blechkarawane“ hat sich festgefahren. Wir fahren den kurzen Weg hin und ziehen ihn aus dem Sand.

Wieder zurück am Camp, springt der BMW dann doch nach langer Tüftelei an und wir machen uns auch alle auf den Weg. Vorne ein Sprinter dann der 7er und dann wir und die Nationalgarde. Nach wenigen Kilometern macht der BMW wieder Zicken und wird heiß, bleibt stehen. Das Kühlwasser ist wegen zwei abgerissener Schlauchschellen ausgelaufen. Torsten versucht ihn mit dem Sprinter anzuziehen und gräbt sich nur selbst dabei ein. Außerdem ist sein Motor zu heiß geworden. Nichts bewegt sich. Die Flut steigt und das Wasser kommt immer näher. Langsam werden einige nervös. Aussage von Org Holger „Wir haben gleich keine Zeit mehr“. Das Auto kann hier ja nicht zurückgelassen werden.

Sogar die Jungs der Gendarmerie springen von ihrem Pickup und helfen beim Schieben und Graben. Letzte Chance, Einsatz für den Landrover Freelander 2!

Der Plan: Den 7er anziehen und wenn wir es schaffen und mit ihm im Schlepptau rollen, dann nur Gas und nicht mehr anhalten bis zum Örtchen. Wir hängen den schweren Wagen an und tatsächlich, wir bewegen uns. Der Freelander wühlt und gräbt sich durch den Sand. Wir fahren sehr nah an der Wasserkante da der Sand dort fester und nicht so tief ist. Immer die Brandung im Blick damit wir keinen Kontakt zum Salzwasser aufnehmen. So fahren wir ein Stück und der BMW fungiert mittlerweile als Schneepflug und schiebt mit seiner Front noch eine ordentliche Menge Sand vor sich her.

Das macht dem Landrover zu schaffen und die Motortemperatur steigt zusehends. Irgendwann sind wir im roten Bereich und müssen anhalten. Sonst stehen hier zwei Gefährte im Wasser. Wir drehen die Heizung auf volle Pulle, machen alle Fenster runter und die Lüftung auf höchste Stufe damit der Motor Wärme abgibt. Draußen weit über 30 Grad und im Auto ist Sauna! Es bringt nach einer Weile aber den gewünschten Erfolg und die Temperatur sinkt wieder auf normales Maß. Jetzt müssen wir auch dringend weiter! Die Flut kommt fast bis an die Reifen. Auf ein Neues. Wieder klappt das Anziehen und weiter geht´s. Wir machen mehr Geschwindigkeit und können jetzt auf nichts mehr in unserer Spur Rücksicht nehmen. Wir brettern über alles drüber, Holz, Plastikkanister, Müll und Sandhaufen oder zu Wellen aufgehäufter Sand. Es rumpelt und kracht und wir pflügen uns durch.

Dem Lenker im BMW steht die pure Angst und der Streß im Gesicht und mehrmals haut er sich mit dem Kopf am Dach an, denn der BMW ist tief und die Bodenwellen sind nicht ohne. Er ebnet den ganzen Strand und schiebt weiter einen Haufen Sand vor sich her. Dann kommt Nouamghar in Sicht und wir brettern einfach hindurch bis zu einer Stelle, wo der Boden fest und eben ist. Die anderen Teams und alle Kinder des Ortes erwarten uns sehnsüchtig und Jubel brandet auf als die Strandschlepper mit der Flut im Nacken einfahren. Sie hatten alle gebangt gewartet und als die Funkgeräte das erlösende „sie kommen“ verbreiteten, war bei allen Erleichterung zu spüren. Erstmal eine Pause.

Lange fällt die aber nicht aus da wir ja noch 157KM bis Nouakchott zu bewältigen haben. Die Reifen bekommen wieder den für den Asphalt nötigen Luftdruck und dann machen wir uns auf den Weg auf der teilweise sehr schlechten Straße.

Irgendwann tauchen aus dem beigen Nichts die Vororte der Hauptstadt auf und die Straße wird besser und auf einmal so etwas wie Zivilisation. Die Einfallstraße wird vierspurig, Straßenlaternen und die üblichen daran befestigten Fähnchen in Landesfarben. Wir halten uns etwas rechts und fahren wieder auf den Atlantik zu. Unser Ziel sind die wenigen dort liegenden Unterkünfte aller Art. Ein paar Rallyeteams machen Station auf einem Parkplatz eines einfachen Hotels und campen dort.

Einige wenige beziehen sehr einfache Rundhütten mit Matratzen auf dem Boden und andere beziehen die wenigen freien „richtigen“ Zimmer. Der Rest steht ratlos da und schaut sich um. Nebenan befindet sich ein etwas größeres moderneres Hotel teilweise noch im Bau, teilweise aber auch schon bezugsfertig. Dort steigt der Rest der Truppe ab. Die kleinen Bungalows sind modern eingerichtet und schön gestaltet. Das hätten wir hier nicht erwartet. Allerdings sind die Preise für mauretanische Verhältnisse enorm aber für uns geht es und eine andere Wahl haben wir nicht. Nach vier Tagen im Zelt in der Wüste freuen wir uns auf ein richtiges Bett und eine gescheite Dusche. Im Büro möchte man uns einen teuren Preis abrechnen aber wir haben (als fast einziges Team außer den Orgs) mauretanisches Netz dank E-Sim-Karte und sehen, daß das Hotel bei Booking deutlich günstiger ist. Anstatt uns diesen Preis abzurechnen, wird daran festgehalten hier vor Ort den teuren Tarif zu beziffern.

Kurzerhand buchen wir vor deren Augen im Büro über Booking unser Zimmer und schon ist das Problem erledigt. Das Gleiche machen die Teams Malen & Bohren 1+2 die mit uns im Büro sitzen. Bernd geht mit Klaus, unserem bayerischen Österreicher (fährt allein) in einen Bungalow und Alex und ich nehmen den nebenan. Wir gehen die paar Meter runter zum Strand und dort ist ganz schön was los. Eine tosende Brandung mit großen Wellen knallt auf den Strand und auf diesem findet eine Art Pferderennen mit vielen Zuschauern statt. Es ist Sonntag. Scheint eine Art Wochenendveranstaltung zu sein. Als wir dann unser Auto ausräumen und die Taschen holen, bemerken wir hinten links einen Plattfuß. Entweder hat unser Ritt über den ganzen Mist am Strand oder die üble Straße dem Reifen zugesetzt. Da kümmern wir uns aber erst morgen drum.  



Tag 17: Ruhetag in Nouakchott


Gut haben wir geschlafen und früh machen wir uns ans Werk den Reifen zu wechseln. Ein Loch ist in der Seitenwand. Nächstes Problem, die Ersatzreifen können wir nicht nutzen, da die Nuß nicht auf den Sicherungsbolzen paßt. Super!

Bernd füllt den alten Reifen mit Vulkanisierungszeug und dichtet ihn ab und Alex kloppt die Sicherung aus dem Bolzen.

Hauptsache repariert und der alte Reifen hält seine Luft! Dann kippen wir noch den restlichen Sprit aus den Ersatzkanistern in den Tank. Bernd und Alex ziehen es vor im Hotel zu bleiben und einen richtigen Ruhetag einzulegen und ich mache mich mit beiden Malen & Bohren Teams auf in die Stadt. Im Hotel noch finden wir einen kompetenten Herrn, der uns anbietet für einen Festpreis den ganzen Tag herumzufahren und uns überall hinzubringen, wohin wir möchten. Also los in die größte Stadt des Landes.

Nouakchott gilt als der rollende Autofriedhof. Es ist schwer zu beschreiben, was für Vehikel und in welchem Zustand diese hier rumfahren. Außer den wenigen relativ neuen Fahrzeugen, fehlt den anderen immer irgendein Teil oder meistens mehrere. Stoßstangen, Scheiben, Scheinwerfer, Türen etc. Wer schonmal in Afrika war, weiß in Etwa, was ich meine, aber Nouakchott toppt das alles noch einmal richtig.





Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus und dann passieren wir zufällig das Nationalstadion. Beim Wächter kurz angefragt, ob wir reinkönnen, er öffnet sogar das Tor und wir fahren rein.

Normalerweise spielt dort die Nationalmannschaft Fußball, aber jetzt ist gerade eine Drittligamannschaft beim Trainieren. Nebenan im „Fanshop“ kaufen wir ein Trikot der mauretanischen Fußballnationalmannschaft als Souvenir. Weiter geht es querbeet durch die Stadt, die nicht wirklich viel richtige Sehenswürdigkeiten hat.

Ein Halt beim Präsidentenpalast, ein kurzer Stopp bei einem Schilderhersteller, um ein paar Kennzeichen anfertigen zu lassen. Sehr interessant den Jungs bei der Arbeit zuschauen zu können. Überall werden wir beäugt, denn hierher kommen nur wenig westliche „Touristen“. Unser Chauffeur gibt sich Mühe, erklärt immer wieder etwas und auf der Rückfahrt Richtung Hotel kommen wir wieder an der großen Moschee vorbei. Vorhin war sie geschlossen, jetzt ist offen. Also rein. Auf meine Nachfrage wegen den kurzen Hosen sagt unser Fahrer es wäre kein Problem, wir könnten so rein. Frauen müssen allerdings draußen an den Stufen zur Eingangstür warten.

Während wir uns eine Weile drinnen umschauen und Fotos machen, kommt irgendwann ein Obermufti und verweist uns böse aus diesem Laden. Was er genau sagt und warum, können wir nicht verstehen und komischerweise ist jetzt gerade unser Fahrer nicht zu finden. Der steht draußen am Auto und ist verwundert. Zumindest tut er so.

Egal. Kurzer Stop in einem richtigen Supermarkt und dann zurück ins Hotel. Dort entscheide ich mich zum Baden in der heftigen Brandung. Wohl als einziger. Kein anderer Weit und Breit. Es herrscht eine sehr starke Strömung und das Baden dort ist nicht ungefährlich, merke ich. Das wird wohl der Grund sein. Dennoch eine angenehme Abkühlung nach dem staubigen heißen Tag in der Stadt. Saharasand trübt den Himmel heute braun und Staub liegt in der Luft. Währenddessen sammele ich dutzende Plastikflaschen und sonstigen Müll im Meer und am Strand ein. Vom gestrigen Pferderennen liegt hier alles voll. Das scheint auch hier keinen zu stören, denn Mauretanien ist leider auch sehr vermüllt. Bei dem einen oder anderen Team wurde heute am Auto gewerkelt oder es wieder versucht fahrbar (BMW) zu machen. Einige ließen ihr Auto waschen aufgrund Salzwasserkontakt am Strand den Tag vorher. Ein gutes Abendessen auf der Terrasse im Hotel rundet den Tag ab, morgen geht es wieder auf die Piste.  


Tag 18: Route MR-Nouakchott-SN-Saint Louis 218 KM


Heute starten wir früh um 8 Uhr, denn wir wollen noch im Hellen im Senegal ankommen. Vor der Abfahrt tanken wir noch voll und geben die letzten Ouguiya aus. An die gegenüberliegende Zapfsäule rollt ein vollbesetztes altersschwaches Taxi.

Nachdem für ein paar Kröten getankt wurde, will es nicht mehr anspringen. Lange wird gejuckelt und probiert. Nichts geht mehr. Die Fahrgäste verteilen sich und suchen sich andere Mitfahrgelegenheiten. Mauretanischer Alltag.  

Treffpunkt für uns ist dann im Industriegebiet Nouakchotts in der Nähe einer großen Fischfabrik. Dementsprechend steigt ein unangenehmer Geruch in die Nase. Keine 5 KM gefahren, meckert der BMW von Brendler/Guse wieder, obwohl er gestern repariert wurde.

Er hat ein kleines Hitzeproblem und als Folge davon, einen rapiden Leistungseinbruch. Vermutlich war nach der gestrigen Reparatur noch eine Luftblase im Kühlkreislauf.

Nach einiger Zeit ist der Fehler gefunden, abgestellt und es kann weitergehen durch die noch immer sandgeschwängerte Luft Richtung Tiguent. Wir fahren durch Mauretaniens Süden, der hier etwas grüner wird, da wir die Sahelzone erreichen. Es wachsen wieder kleine Büsche und Bäume aus dem Sand. Eine schöne Landschaft zieht an uns vorbei. Dann abrupter Stop.

Der Ford Transit der Blechkarawane streikt. Schuld ist der Kraftstofffilter und gepanschter Diesel. Um den Profit etwas zu erhöhen, wird in Mauretanien gerne mal Altöl in den Diesel gemischt. Dieser ist dann richtig dunkel. Unserer heute Morgen war zum Glück hell und rein. Nach längerer Reparatur der Spezialisten, Reinigung des Filters mit Bremsenreiniger, läuft der Ford erstmal wieder. Die Unterbrechung verbinden wir mit der Mittagspause.

Die Spezialisten haben währenddessen aus einem nicht passenden Filter das Innenleben in den Originalfilter hineingebastelt. Irgendwann wollen aber weder der BMW noch der Transit von selbst weiterfahren und so kommen sie beide kurzerhand an den Haken und werden geschleppt damit wir heute noch ankommen.

Weiter geht es Richtung Grenze über die üble Schlaglochpiste des Dammes des Diawling

Nationalparks ins Delta des Senegal. Plötzlich wird alles grün. Vögel, Sumpf, Schilf, Wasser, Warzenschweine sind überall. Schilder, die vor Krokodilen warnen, eine große Boa liegt neben der Straße aber wir können nicht für ein Foto anhalten, da wir inmitten des Konvois mit den anderen Fahrzeugen sind. Die Schlange hat außer uns fast keiner gesehen. Dromedare stehen in der Landschaft.

In einem See steht ein Mann im Wasser und wäscht sein Pferd. Am Ende des Dammes erreichen wir die Grenze und den Fluß Senegal. Hier warten wir in der Hitze und die Ausreise aus Mauretanien und die Einreise in Land Nr. 7, den Senegal, dauert ca. 2 Stunden

Ab der Brücke über den Fluß fährt hier ein Leitfahrzeug vor uns weg und alle müssen im

Konvoi hinterher. Das ist eine Auflage für die Rallye im Senegal.

Es sind dann noch 60KM bis Saint-Louis, der Stadt auf der Landzunge am Atlantik. Mitten durch die quirlige Stadt und die alte Brücke mit 20 Fahrzeugen zieht sich. Ziegen, Schafe, Menschen, Autos, Eselskarren, Roller, Busse usw. teilen sich die Straße. Winkende Kinder und farbenfroh gekleidete Frauen an der Seite empfangen uns. Kurz bevor die Sonne untergeht, erreichen wir unser uriges Hotel direkt am Strand und der Parkplatz reicht kaum für alle Autos. Auf den letzten Metern macht noch der Toyota Hiace vom Team Malen & Bohren 1 schlapp und will nicht mehr. Er muß aber nicht mehr an den Haken, sondern wird die restlichen Meter geschoben. Morgen ist nochmal Ruhetag geplant.





Es müssen drei Fahrzeuge fitgemacht werden. Es gibt für diejenigen also viel zu tun. Ein Ruhetag sollte eigentlich anders aussehen. Es bleibt spannend. Am Abend tauschen wir im Hotel noch bei einer Dame, die schon an der Grenze auf uns gewartet hat, Geld um damit wir morgen autark sind. Tütenweise Geldbündel hat sie dabei, um vielen Teams Euros in westafrikanische CFA-Francs zu tauschen.


Tag 19: Ruhetag in Saint-Louis


Die Stadt hat in der Altstadt schöne Kolonialbauten aus der Zeit, als sie Hauptstadt Französisch-Westafrikas war. Fast alle wollen sie sich anschauen und das bunte Treiben dort erleben. Da wir nur im Konvoi unterwegs sein dürfen, müssen die Fahrzeuge im Hotel bleiben und dürfen nicht bewegt werden.


Der Versuch, mit einem Boot der örtlichen Fischer in die Stadt zu gelangen, scheitert. Kurzerhand sind wir in den klapprigen Bus der Linie 3 eingestiegen und fahren damit. Der Fahrkartenverkäufer im Bus sitzt in einem halb verschlossenem Käfig.

Irgendwie purzelt ein Fahrgast während der Fahrt aus der offenen Tür aus dem Bus und keiner bemerkt es erstmal richtig. Seine Einkäufe, frischer Fisch, fahren jetzt alleine mit. In der Stadt angekommen, verlieren sich einige Gruppen und wir sind somit zu acht unterwegs. Der Fluß Senegal der hier in den Atlantik fließt, ist eine einzige Kloake und Müllkippe.

Bei den Booten, die sehr farbenfroh bemalt sind und die teilweise selbstgebaute Flaggen aus aller Herren Länder zieren, ist alles vermüllt und auch ein toter Hund und eine tote Ziege liegen halb im Wasser. Ob und wie genau Geschichte in Senegals Schulen unterrichtet wird, weiß man nicht, denn einige Boote tragen eine Art Reichskriegsflagge mit Hakenkreuz. Etwas seltsam. Saint-Louis liegt auf drei Inseln verteilt im Mündungsgebiet des Senegal. Sie gilt als Venedig Afrikas. Unser Hotel und der Fischmarkt liegen auf der äußersten Insel mit Strand Richtung Atlantik. Eine kleine Brücke verbindet sie mit der Altstadt und dem historischen Stadtkern welcher auf der Ile de Saint-Louis liegt und die seit 2000 zum UNSESCO-Weltkulturerbe gehört.

Die 515 Meter lange Brücke Pont Faidherbe verbindet die Altstadtinsel über den Senegal Hauptarm mit der großen und dicht bebauten Ile de Sor. Wir laufen also von den Booten über die kleine Brücke in die Altstadt und durchkämmen diese.

Die Stadt hat die besten Tage hinter sich und viele der schönen Kolonialhäuser verfallen. Es ist dort die viel los und wir laufen einfach ohne Ziel durch die Straßen. Außer uns sind so gut wie keine „Weißen“ hier zu sehen. Dementsprechend neugierig werden wir beobachtet, angesprochen oder auch für ein Foto gefragt. An einer Ecke entdecken wir eine Art Freiluftwerkstatt mit Schrottplatz und dort werden wir auf der Suche nach

Nummernschildern fündig. Markus und ich sollen am Nachmittag nochmal wiederkommen, um mehr zu holen. Die Zeit verbringen wir mit den Bergischen Löwen und den Ühü-Brothers in einem netten Lokal, in dem wir gut speisen und das eine oder andere kalte Getränk zu uns nehmen. Danach geht ein Teil wieder Richtung der Werkstatt, Bernd und Alex fahren mit dem Taxi schonmal zurück ins Hotel. Dort gehen sie in den Pool und beobachten das Hotelpferd, welches gerne in der Nähe der offenen Rezeption herumsteht.

Es mag übrigens gerne Bier und trinkt das auch wirklich. Wir fahren später mit dem Bus wieder zurück und mich zieht es zum Baden eher an den Strand und in den warmen Atlantik. Leider ist auch der hier sehr vermüllt und im Wasser um mich herum schwimmt nur Plastik und Unrat. Ich versuche so viel wie möglich davon mit rauszunehmen, aber das ist ein Kampf gegen Windmühlen da der Fluß ständig Nachschub liefert. Traurig. Ich entschließe mich dann zu den anderen an den Pool zu gehen. Dort sind leider sehr viele Fliegen und auf der Liege kann man so nicht relaxen. Die Zimmer des Hotels sind ok, Westafrikanischer Standard. Abends werden die Fliegen durch einen Haufen Moskitos abgelöst. Alles in allem ein schöner Tag für die Teams, die keine Reparaturen an ihren Fahrzeugen zu erledigen hatten.    





Tag 20: Route SN-Saint Louis-GM Sukuta 554 KM


Früh um 6 Uhr ist die Abfahrt angesetzt, um die letzte und stundenmäßig längste Etappe bewältigen zu können und evtl. noch im letzten Tageslicht am Zielort anzukommen.

Los geht es erst um 6:30 Uhr, da der BMW wieder Startprobleme hat obwohl gestern den ganzen Tag daran gewerkelt wurde. Der Transit der Blechkarawane geht direkt ans Abschleppseil.

Die Fehler konnten trotz des gestrigen Ruhetags nicht behoben werden und somit sind heute 600 KM abschleppen angesagt. Es gibt durchaus schönere Arten, solch eine Strecke über afrikanische Straßen und Wege zurückzulegen. Durch das noch dunkle und gerade erwachende Saint Louis geht es relativ zügig, denn um diese Uhrzeit ist es dort noch ruhig. Die aufgehende Sonne begleitet uns bis nach Louga. Hier wird nochmal aufgetankt und die restlichen CFA-Francs umgesetzt. Der nächste Stop läßt nicht lange auf sich warten. Ein Hitzeproblem am Opel

vom Team WW4/2. Da kam wohl die Kühlwasserkontrolle zu kurz. Aufgefüllt und sicherheitshalber noch den Inhalt eines Teebeutels ins Wasser gegeben, da es ein klein wenig unter dem Kühler tropft. In Missira verlassen wir die Straße und fahren auf einer staubigen Sahelpiste 20 Kilometer Umweg, um der heiligen Stadt Touba auszuweichen. Sie ist das Zentrum der Mouriden. In der Stadt herrscht ein strenges Alkohol,- und Rauchverbot. Es gibt keine Hotels und Wahlkampf ist dort auch verboten. Die Regierung des Senegals hat in Touba keine Macht und Steuern werden dort auch nicht bezahlt. Der Kalif der Stadt ist der eigentliche Machthaber. Auf der Piste durch die Sahelzone kommt wieder richtiges Rallyegefühl auf, fast wie bei der Paris-Dakar in früheren Zeiten. Sogar die singenden und klatschenden Kinder am Streckenrand stehen da.

Wir liefern uns ein Rennen mit Holger von den Orgs und seinem Sprinter und sind weit vor den anderen am Punkt, wo wir wieder auf die Straße biegen. Kurzzeitig löst sich dann der Ford Transit vom Zugfahrzeug und ein paar Kilometer weiter fliegt das Unterbodenblech vom BMW weg. Weiter geht es durch Kaolack. In der Stadt herrscht ein irres Gewusel. Motorroller sind hier das Fortbewegungsmittel Nr. 1. Wir schwimmen einfach im Strom mit, da wir mitten durch die Stadt müssen. Von hier sind es jetzt noch 80 KM bis zur gambischen Grenze. Einige Teams tanken noch einmal, da die Meldung kam, in Gambia wäre der Sprit rar. Der Audi von Team Quattro steht kurz still aber zum Glück ist es nur die Spritleitung, die sich etwas gelockert hat. An der Grenze wartet schon Heinz von der DBO und begrüßt die Teams und fährt mit uns die letzten 200 KM.

Die Ausreise aus dem Senegal geht zügig, ebenso die Einreise nach Gambia. Unser Land Nr. 8 auf dieser unglaublichen Reise. Nicht weit hinter der Grenze war bis vor kurzem der Fluß Gambia eine weitere Barriere derer, die einfach nur auf die Südseite des Landes wollten, oder aber für durchreisende Senegalesen, die in die Casamance Region wollten.

Ewiges warten an der Fähre und die Überfahrt sind passé, denn seit 2019 überspannt eine mächtige Brücke den Gambia River. Für mich ein absolutes Highlight, denn ich habe in der Vergangenheit öfter mit der Fähre übergesetzt und weiß die Abkürzung sehr zu schätzen.

Ebenso die mittlerweile komplett neugemachte und asphaltierte South Bank Road, die die 200 Kilometer bis an die Küste im Nu verfliegen lassen könnte. Schön ist die immer grüner werdende Landschaft mit großen Bäumen, Palmen etc. Da wir ab Grenzübertritt mit Polizeieskorte im Konvoi fahren, kommen wir nur langsam voran. Wir müssen den Tross kurz stoppen, denn bei Alex meldet sich überraschend der Magen und wieselflink verschwindet er hinter den Büschen am Straßenrand. Mittlerweile setzt die Dämmerung ein und es wird langsam wieder dunkel. Richtung Ballungsraum Serekunda wird der Verkehr immer dichter und die Luft ebenso. Es kommt uns vor wie Casablanca, nur im dunklen. Die Luft ist verhangen von Abgasen und Rauch, der von den Buschfeuern kommt. Hier wird das Gestrüpp zwischen allem bepflanzten einfach abgebrannt.

Southbank Road heute
Southbank Road heute

Im Großraum um Serekunda hat sich die letzten 15 Jahren auch einiges verändert und ich versuche mich zu orientieren. Müde erreichen wir dann zu später Stunde den Zieleinlauf in Sukuta nach über 14 Stunden. Wir bekommen im Blue Kitchen ein Abendessen und kaltes Bier gereicht. Das tut gut. Der Aufenthalt dort wird für alle ein kurzer und dann schlagen wir unsere Zelte im nahegelegenen Compound der DBO auf. Wir haben fertig. 7154 Kilometer vom Start zu Hause bis auf den Hof der DBO!  



Southbank Road 2006
Southbank Road 2006


Neue Senegambia Brücke
Neue Senegambia Brücke
Fähre 2006
Fähre 2006

Tag 21 Route: GM-Sukuta-GM-Koto Beach 8KM


Aufwachen wie im Urlaub. Das DBO-Gelände gleicht einem kleinen Dschungel. Uns wecken Vogelgezwitscher und Geräusche der Natur. Heinz hat das alles vor über 30 Jahren angelegt und die Bäume, Palmen und der Bambus haben mittlerweile stattliche Größen erreicht.

Ein sehr netter Compound mit Haus, Toiletten, Duschen und Freiluftküche. Wir bauen die Zelte ab und räumen, zumindest in Teilen, das Auto aus. Alles was dableibt, stellen wir in einen Container. Das wird bei Bedarf verteilt. Tüten mit Kleidung, Bällen und anderen Kleinigkeiten, beschrifte ich. Diese werden in nächster Zeit von meinem Buddy Tom aus Holland abgeholt und in die Dörfer unserer Projekte von 2006 mitgenommen und dort verteilt. Tom und ich waren 2006 für drei Monate in Gambia und haben im Auftrag des Welternährungsprogramms (WFP) der UN im Landesinneren von Gambia Schulküchen und Latrinen gebaut. Unsere Ersatzreifen und Werkzeug spenden wir für die DBO-eigene Werkstatt. Dann brechen wir auf und fahren zu unserem Hotel am Strand. Das war erst ab heute gebucht und deswegen noch einmal die Zeltübernachtung hier.

Ein paar Tage „Urlaub“ sollen es nach der langen Reise noch sein. Im Tageslicht sieht man den „Bauwahn“ hier im urbanen Gebiet noch viel genauer. Kein Wunder, daß ich mich gestern mit der Orientierung schwergetan habe. Neue Straßen, Kreisel, Brücken wo vor 15 Jahren noch nichts war. Saudi-Arabien hat 50 Millionen Euro gegeben, um die Infrastruktur aufzupäppeln und damit der König beim Besuch des nächsten politischen Gipfels standesgemäß reisen kann. Doof nur, daß die neue Straße die Orte in zwei Seiten teilt und wenn man auf die andere Straßenseite möchte, erstmal zu den wenigen Kreiseln fahren muß. An diesen Nadelöhren staut sich jetzt alles. Verkehrsplanung mißglückt. Unterwegs sieht man mittlerweile auch vollverschleierte Frauen, die es vor 15 Jahren im Straßenbild noch nicht gab. Wir erreichen unser Hotel direkt am Strand und sind begeistert. Tolle Anlage, nette Bungalows, guter Standort. Wir haben uns für eine Woche einen ganzen Bungalow gemietet mit Blick aufs Meer. Jeder hat sein eigenes Schlafzimmer, was nach drei Wochen, in denen wir nur aufeinander gehockt haben, auch mal ganz nett ist. Eine Küche ist mit dabei und eine große Terrasse lädt zum Verweilen ein. Wir fahren nochmal los, etwas einkaufen, um die Küche und den Kühlschrank etwas auszustatten. Danach ein Bad im warmen Atlantik und Abendessen im Hotelrestaurant. Herrlich warm unter Palmen sitzen wir lange draußen. Das genießen wir nach den Wochen unterwegs richtig. So könnte es bleiben.     


Tag 22 Route: GM-Koto Beach-GM-Gunjur-GM-Sanyang-GM Koto Beach 100 KM


Heute stehen die Besuche der von der DBO ins Leben gerufenen und finanzierten Projekte auf dem Plan. Bernd und Alex entscheiden sich im Hotel zu bleiben und somit mache ich mich allein mit dem Freelander auf den Weg zum Treffpunkt beim DBO-Compound. Von dort fahren wir zuerst nach Gunjur zum Kundembo Health Center.

Hier entsteht nach und nach auf dem privaten Gelände des praktizierenden Arztes eine Art kleines Krankenhaus. Dr. Sol dem Leiter der Healthpost liegt vor allem die Aufklärungsarbeit über Sexualität, Gesundheit, Hygiene, Beschneidung, Verhütung, Pubertät, Impfungen etc. am Herzen. Das sind Themen, über die in den Familien und den Schulen kaum gesprochen wird, weil sie zu “beschämend” sind.

Momentan ist die Geburtsklinik im Bau.  Sie ergänzt die bis jetzt fertige Augenklinik, in der die örtliche Bevölkerung ihre Augen testen lassen kann, sowie bei Bedarf gespendete Brillen ausgehändigt bekommt. Vor kurzem wurde eine kleine Zahnarztpraxis in Betrieb genommen. Diese besteht aus einer alten gespendeten Praxiseinrichtung aus Deutschland die hier wieder aufgebaut wurde.

Freiwillige Ärzte aus Deutschland helfen hier teilweise mehrere Monate ohne Bezahlung. Kate & Mike, ein Team der letzten Rallye ist hiergeblieben und hat in dieser Zeit schon viele Kinder der DBO geführten Schule zahnärztlich untersucht und Augentests vorgenommen. Ein Rallyeteam bringt explizit hierfür dringend benötigte Medikamente sowie Praxisutensilien mit. Das Ganze hier hilft dieser abgelegenen Gegend ungemein. Gerade in der Regenzeit, wenn teilweise hunderte Menschen pro Tag aufgrund Malaria Hilfe benötigen.

In Kundembo fungiert jetzt ein von uns mitgebrachtes 5L Schwind-Bierfäßchen (natürlich leer) als Sammelbehälter für gebrauchte Spritzen und Kanülen.

Eine große Tasche mit dem Inhalt vieler von uns gesammelter abgelaufener Verbandskästen wird übergeben und hier dringend gebraucht. In Kundembo können Mädchen außerdem eine Ausbildung zur Näherin machen und schneidern an alten Nähmaschinen hübsche Taschen für den Verkauf auf dem Markt. Von diesem tollen Areal, daß mit viel Liebe und Enthusiasmus von Dr. Sol geführt wird fahren wir nach Sanyang zur Kobisala School. Heute ist Samstag und eigentlich schulfrei aber viele Kinder sind trotzdem gekommen und empfangen uns mit einem Liedchen. Die komplett privat errichtete und betriebene Schule ist ebenso eins der ganz großen Projekte der DBO.

Diese Schule wird ständig erweitert und in Stand gehalten und mittlerweile lernen hier fast 350 Kinder in allen möglichen Stufen. Respekt zu dieser Leistung, denn die Schule steht wesentlich besser da als viele der staatlichen Schulen, die ich in meiner Zeit 2006 in Gambia betreut habe. Hier muß auch kein Lehrer monatelang auf sein Gehalt warten. Ein ehemaliger VW-Bus einer vorherigen Rallye dient als Schulbus und nebenher wird er noch als Taxi eingesetzt und fährt somit zusätzlich Geld für die Schule rein. Diese Projekte werden größtenteils durch die Rallye und die Versteigerung der Fahrzeuge finanziert. Morgen Vormittag ist es soweit und wir sind gespannt, was da zusammenkommt.

Von der Schule fahren wir noch ein Stück bis ans Meer und lassen es uns bei einem gemeinsamen Mittagessen und ein paar kalten Bieren in der Rainbow Beach Bar gutgehen. Die anderen bleiben teilweise noch, aber ich mache mich nach ein paar Stündchen wieder auf den Rückweg, denn wir wollen heute noch das Auto komplett ausräumen, saubermachen und waschen lassen damit es für morgen gut dasteht. Momentan sieht es noch aus wie ein richtiges Rallyefahrzeug und die Originalfarbe ist nicht mehr zu erkennen. Im Hotel angekommen warten Alex und Bernd schon und nachdem alles ausgeräumt wurde, was nicht reingehört, fahren wir nur ein paar Hundert Meter zu einer Tankstelle, wo wir das Auto von einem jungen Kerl per Hand und Hochdruckreiniger waschen lassen. Erst den Innenraum der voller Sand ist und dann außen. Was da alles raus und runterkommt ist enorm. Er strahlt das Auto so gründlich ab, daß ein Rückfahrsensor an der Stoßstange rausgedrückt wird und es im Fahrzeug ständig piepst. Bernd kann ihn gelenkig mit seinen dünnen Fingern tatsächlich wieder reinfummeln und alles ist wie vorher. Jetzt ist das Auto wieder schön für den morgigen großen Tag. Wir fahren nochmal zum Supermarkt und machen für die restlichen Tage Großeinkauf damit wir ausgerüstet sind und nicht mehr wegmüssen.    

Kobisala Schule
Kobisala Schule

 


Tag 23 Route: GM-Koto Beach-GM-Sukuta-GM-Bakau Nationalstadion 20 KM


Heute ist der große Tag. Unser Auto wird versteigert. Wir fahren die letzten 20 Kilometer in unserem Landrover Freelander 2, erst zum gemeinsamen Treffpunkt bei der DBO und von dort dann alle zusammen zum Nationalstadion nach Bakau.

Hier auf dem Vorplatz nehmen wir alle Aufstellung und die Fahrzeuge werden zum Anschauen bereitgestellt, Motorhauben geöffnet etc. damit sich der potenzielle Käufer vorab ein Bild des Fahrzeugs machen kann. Blick in den Motorraum, Fragen, Begutachtung.

Überall wuseln Interessenten rum. Manche haben sich sofort ein Objekt ihrer Begierde herausgepickt und nehmen schonmal probeweise auf dem Fahrersitz Platz. Dann geht es los. Alle versammeln sich unter dem großen Zelt, daß vor der sengenden Sonne schützt und warten auf die Ankündigung des Auktionators. Das erste Fahrzeug fährt rein und es wird geboten. Bei manchen Modellen sind nur ein oder zwei Bieter interessiert, bei anderen ein ganzer Haufen und dann wird es natürlich auch laut und manchmal wird sogar etwas gestritten. Eins nach dem anderen wird so unter den Augen der örtlichen Behörden verkauft und versteigert.

Wer das komplette Fahrzeug direkt bar bezahlt und auch die anfallenden Zollgebühren, bekommt die Schlüssel gereicht und darf sein Schätzchen gleich mitnehmen. Gern genommen sind Busse und Minivans, die hier dann als Buschtaxi und Transportmittel eingesetzt werden und ihren Anschaffungspreis irgendwann wieder hereinfahren. SUV oder geländegängige Fahrzeuge sind auch gerne gesehen aufgrund ihrer Funktionalität in dieser Umgebung mit viel schlechten Straßen und Sandpisten. Eine Frau, die vorhin schon aus dem 7er BMW nicht mehr aussteigen wollte, hat Glück und sie kann sich ihren ausgeguckten Lieblingswagen ersteigern. In Deutschland hätte man für das Auto allerdings mehr bekommen, was schade ist. Dann kommt unser Landrover an die Reihe und das erste Mal schnellen die Preise richtig in die Höhe. Ein Spektakel, daß wir live auf Instagram übertragen. 315.000 Dalasi werden final geboten, was ca. 4200,- Euro sind.

Leider nicht so viel, wie wir uns und die DBO sich von diesem guten Fahrzeug erhofft hatten. Libanesen haben ihn ersteigert. In Gambia gibt es eine große libanesische Gemeinde, die so ziemlich alle oder zumindest sehr viele der Supermärkte oder kleinen Shops an den Straßen des Landes besitzen und betreiben. Rucksäcke und Taschen voller Bargeld werden ausgeleert und gezählt. Das war´s, weg ist er. Der volle Kaufpreis samt Zoll wird beglichen und die Kennzeichen abgeschraubt. Der Schlüssel wechselt den Besitzer und dann braust er auch schon von dannen. Da sitzen wir nun in unseren Stühlen ohne Auto und verfolgen gespannt die weitere Versteigerung. Dann kommt der Toyota Hiace Bus an die Reihe. Wieder großes Spektakel und irgendwann wird es sehr laut und gegenseitige Beschimpfungen werden ausgetauscht. Eine Gambierin möchte diesen Bus unbedingt für ihr Geschäft ersteigern aber die uns schon bekannten Libanesen wollen auch dieses Fahrzeug.

Sie kaufen mehrere Fahrzeuge an diesem Tag und lassen den Einheimischen wenig Chancen. Den Libanesen wird vorgeworfen, den Gambiern die guten Autos wegzuschnappen da sie über mehr Geld verfügen. Wir gehen davon aus, daß das eine oder

andere Fahrzeug auch gar nicht hier im Land bleibt, sondern eine Reise in den Nahen Osten antritt. So gehen die Stunden dahin und am Nachmittag sind alle Fahrzeuge versteigert. Für insgesamt 3.130.000 Dalasi sprich 43.000 Euro. Nicht eins ist übriggeblieben oder hat keinen Käufer gefunden. Sogar der Opel Von Team WW4/2 der während der Auktion noch angefahren kam.

Er hatte gestern Abend noch den Keilriemen samt Rolle verloren und bis zum Schluß wurde daran geschraubt. Die Autos, die nicht sofort mitgenommen werden, landen erstmal bei der Polizei/Zoll auf dem Hof und erst nach Zahlung der Einfuhrabgaben werden sie den Besitzer wechseln. Es kam auch schon mal vor, daß der Käufer die Summe nicht bezahlt hat und somit auch nicht das Fahrzeug bekam. Manch einer steigert eifrig mit und ist irgendwann dann doch über seinem Budget. Am Ende der Versteigerung werden wir auch noch unsere Stühle los. Eine nette Dame samt Kindern hat schon während der Veranstaltung Interesse daran bekundet und auf einmal saß so manches Kind in einem Stuhl, wenn derjenige gerade mal austreten war oder Fotos gemacht hat. Die Bergischen Löwen nehmen uns in ihrem Ford Focus mit zurück. Zu sechst quetschen wir uns hinein. Hier darf alles mitfahren, was in ein Auto reingeht, egal wie viele Sitzplätze das Fahrzeug hat. Den Rest des Tages verbringen wir am Strand. Schon seltsam auf einmal so ganz ohne Auto dazustehen. Jetzt ist einfach nur noch ein wenig Urlaub angesagt.

    

Tag 24 Route: GM-mit dem Taxi ins Blue Kitchen nach Sukuta und zurück


Heute haben wir einen richtigen Strandtag eingelegt. Wir liegen rum, dösen, baden, laufen den Strand entlang. Um 19 Uhr sollen wir im Blue Kitchen zur Abschiedsparty sein. Da wir kein Auto mehr haben, müssen wir erstmal vom Hotel zu Fuß nach Senegambia an die große Straße laufen und dort mit einem local Taxi den Preis nach Sukuta verhandeln.

400 Dalasi, für weniger bekommen wir die 15-minütige Fahrt im altersschwachen Mercedes C180 nicht. Das Auto könnte auch gut in Nouakchott fahren. Mehr als den zweiten Gang, legt der Fahrer glaube ich nicht ein. Die Rücksitzbank ist so ausgesessen, daß wir gefühlt auf der laut schleifenden Achse sitzen. Der Tachometer geht nicht und im Armaturenbrett leuchten alle Warnlämpchen und Anzeigen, die das Auto besitzt.

Um 19:30 Uhr trudeln wir in der Lokalität ein. Es sind bereits alle da. Es gibt Freibier und ein leckeres Buffet, sogar Rouladen sind dabei. In einer geselligen Runde lassen wir es uns schmecken und tauschen Erfahrungen der jeweiligen Unterkünfte untereinander aus. Die Teams sind alle weit verteilt und nur wenige in der gleichen Herberge untergekommen. Danach gibt es dann Programm und Preise werden verliehen. Je einmal der „Goldene Schraubenschlüssel“ für Team Weifberg1 und die Bergischen Löwen in Form einer kiloschweren Mahagoniplatte mit Inschrift! Auf einmal wird noch ein Sonderpreis ausgerufen, den es so sonst gar nicht gibt.

Der „Strandschlepperpreis“ geht an uns, Team 1128 JulCrew für die Rettungsaktion des BMW am Strand in Mauretanien. Wir sind sehr überrascht und freuen uns ungemein darüber. Wie die „Schraubenschlüssel“ ist auch unser Preis eine wunderschöne schwere Holzplatte aus Mahagoni. Ob das Gewicht dieser Platte wohl unsere Freigepäckgrenze für den Rückflug sprengt? Team Malen & Bohren 1 ersteigert noch die „Einsandeliste“. Das Geld geht in einen Topf für besondere Ausgaben für ein kleines Charity-Projekt. Danach wird zur Livemusik der 5 Star Band noch richtig gefeiert und getanzt. Wer die Polonaise anzettelte, bleibt geheim. Stella vom Team „The Smiling Car Of Africa“ entpuppt sich beim Bierschnelltrinken als wahrer Gully. Irgendwann gehen die Lichter aus und Pia zapft hinter der Theke weiter. Leider sind auf der Party schon nicht mehr alle Teams vollständig dabei, denn der ein oder andere ist bereits auf dem Heimweg oder schon zu Hause. Vier Wochen kann nicht jeder einfach mal Urlaub nehmen oder von der Familie entfernt sein. Um 1:30 Uhr brechen wir mit den letzten auf und Amadou, der Holzschnitzer, fährt uns zum Hotel. Ein super Abend!  



Tag 25 Route: Koto Beach-Denton Bridge-Gambia River-Lamin Lodge-Denton Bridge-Koto Beach


Heute haben wir zusammen mit mehreren anderen ein Boot gemietet, um den Tag auf dem Fluß zu verbringen. Ein genaues Ziel gibt es nicht. Dafür hatten wir gestern schon ein Taxi für 9 Uhr zum Hotel vorbestellt. Um 10 Uhr ist Treffpunkt an der Denton Bridge.

Die Brücke führt durch Mangrovenwald direkt an der Mündung des Gambia zum Atlantik und verbindet St. Marys Island, auf der die Hauptstadt Banjul liegt, mit dem Festland. Hier ist eine Art kleiner Hafen für Fischerboote und kleinere Schiffe, die den Fluß befahren. Die anderen und wir sind zu früh und somit müssen wir warten, streunen ein wenig durch das Areal zwischen Booten, halbversunkenen Kähnen und Hütten. Warten auf Dirk, den Deutschen, der in Gambia lebt, dem das Boot gehört und der frische Angelköder mitbringt. Kühlboxen mit kalten Getränken bringt er auch mit.

Somit steht einer gemütlichen Flußfahrt nichts im Wege. Wir schippern los, durch die endlosen kleinen Seitenarme des Gambia, gesäumt von Mangroven soweit das Auge blicken kann, Richtung Hafen Banjul. Vorbei an einigen halb im Wasser versunkenen Wracks, die hier einfach liegenbleiben und nicht geborgen werden. Kurz vor dem großen Seehafen liegt sogar eine recht große ehemalige Fähre im Wasser und schaut schräg zur Hälfte raus. Markiert, geschweige denn nachts beleuchtet, sind die Hindernisse natürlich nicht. Dann stoppen wir und die Angeln werden ausgeworfen. Leider fangen wir gar nichts. Nur ein Mitglied der Mannschaft hat Glück und zieht einen Fisch aus dem Wasser. Es wird viel geplaudert, die ersten Bierchen getrunken und weiter tuckern

wir flußaufwärts Richtung Lamin Lodge. Die Wasserstraßen sind so weit, obwohl wir nur auf Seitenarmen unterwegs sind. Der Hauptstrom ist einfach nur mächtig und hier im nahen Mündungsgebiet bis zu 22 Kilometer breit. Lamin Lodge, ein Flecken versteckt mitten zwischen einem Seitenarm des Flußes und den Mangroven. Ein sicherer Liegeplatz für kleine Schiffe und Boote. Viele Weltumsegler oder Boote, die weiter den Fluß herauffahren wollen, machen hier Station da es nicht so weit weg von der Mündung in den Atlantik und somit gut und schnell zu erreichen ist. Auch heute sind ein paar Segelboote zum Ankern da.

Früher konnte man hier gut essen. Am Ufer stehen einige Gebäude und ein größeres Holzhaus direkt am Wasser. Ein Deutscher hatte es mal gebaut, aber er ist mittlerweile verstorben und leider wird es nicht weitergeführt und verfällt jetzt langsam. Wir gehen hier kurz von Bord, schauen uns mal kurz um, beschließen dann aber wieder aufs Boot zu gehen und nochmal zu angeln. Wieder kein Glück. Also einfach nur die Natur und die wunderbare Aussicht genießen. Bei ein paar Bier erzählt Dirk wie schwer es ist hier ein vernünftiges Leben zu führen und eine Firma aufzubauen und zu betreiben.

Als Weißer zahlt man hier immer mehr als die Einheimischen, die Bürokratie ist enorm, vieles läuft nur mit Schmiergeld und alles ist schwerfällig und dauert ewig. Eine Aussage, die ich mit unserem Einsatz in 2006 verglichen, nachvollziehen und auch bestätigen kann. Es soll über die Jahre aber noch ein wenig schlimmer geworden sein, bestätigt uns jemand an anderer Stelle seitens der Rallye Organisation. Langsam müssen wir umdrehen. Schade, daß wir nicht weiter reinfahren können. Die richtig interessante Tierwelt kommt weiter im Landesinneren, aber auch so ist dieses Flußgebiet jedes Mal beeindruckend. Wieder im kleinen Hafen an der Brücke angekommen, quetschen wir uns zu neunt in Dirks Geländewagen und er setzt uns auf dem Rückweg am Hotel ab.

Kein Problem am Kontrollposten der Polizei, obwohl wir zu zweit hinten an der Heckscheibe klemmen mit noch allerlei Utensilien zwischendrin. Ich bin so verdreht, daß ich kaum allein aussteigen kann. Ein langer Tag geht zu Ende mit wieder Mal ganz anderen Eindrücken als nur vom Auto aus. Unsere Terrasse ist Gold wert. Jeden Abend hören wir das Wellenrauschen und Spüren die Meeresbrise auf der Haut.





Tag 26: Kunta Kinteh Beach Complex


Heute ist einfach nur ein Tag zum Ausruhen, Baden, Relaxen. Ein richtiger Strandtag.

Für mich der erste der ganzen Reise, an dem ich nur in der Unterkunft bin und die Umgebung genieße. Die nette Juicelady versorgt uns mit leckerem Mango und Baobabsaft. Bernd und ich machen am Nachmittag einen langen Strandspaziergang nach rechts, bis die Steilküste anfängt. Die örtliche Jugend spielt abends am Strand Fußball. Ein leckeres Abendessen direkt im Anschluß und wir lassen den Abend wieder auf der Terrasse ausklingen.


Tag 27: Route GM-Koto Beach-Yundum Internationaler Flughafen 21 KM


Ein weiterer Tag des Nichtstuns und Genießens. Wir wechseln allerdings nochmal den Bungalow, weil wir aus unserem um 11 Uhr rausmüssen.

Er ist neu vermietet. Da wir heute Nacht/morgen früh zum Flughafen müssen, haben wir uns entschieden, diesen kompletten Tag noch einmal mit einem Bungalow zu verbringen. Wir können unsere Sachen hierlassen, haben Dusche und Toilette sowie Kühlschrank und können uns kurz hinlegen. Den Tag starten wir mit Kofferpacken und überzählige Sachen an die Zimmermädchen und Gärtner zu verschenken. Dann wieder Strand und

Erholung bis Abends. Diesmal gehen Bernd und ich am Strand nach links spazieren. Die Juicelady freut sich über das Skimboard, welches wir hierlassen. Wir haben nur 20 Kg Freigepäck und einiges an Sachen muß doch wieder mit zurückgenommen werden. Das wird gerade so hinhauen. Nach dem Abendessen verpacken wir den Rest, gehen duschen und legen uns kurz hin. Unser Fahrer für den Flughafen kommt um 23 Uhr. Am Nachmittag fällt mir auf, daß mein „Stock“ vom Strand in Mauretanien fehlt. Ich habe ihn im anderen Bungalow vergessen. Die Dame von der Rezeption geht mit mir hin und ich darf im zweiten Anlauf bei den neuen Mietern rein und nachschauen. Die Zimmermädchen haben ihn weggeworfen, aber er taucht wieder auf. Der Vater der englischen Mieterin macht später noch Ärger an der Rezeption obwohl sie mir erlaubt hat nachzusehen. Das tut mir leid für die eifrige Rezeptionistin. Der Fahrer ist überpünktlich und wir fahren etwas früher los.


Tag 28 Route: GM-Yundum-PT-Lissabon-DE-Frankfurt-Stockstadt 6380 KM


Wir sind rechtzeitig am Flughafen. Dieser hat gefühlt die Größe einer Doppelgarage, hat sich seit 2006 nicht verändert und es ist sehr viel los.

Wenig Schalter, keine bis chaotische Organisation und viele Leute. Wir geben unser Gepäck ab. Ich muß umpacken, da eine Tasche zu schwer ist. Auf dem Weg zum Security-Check werden wir von einem Kerlchen im Kapuzenpulli angehalten und gefragt, ob wir schon die Boarding-Fee entrichtet haben? Da er nicht sehr vertrauenswürdig aussieht, denken wir uns “netter Versuch“ und gehen weiter. Werden dann aber von einer uniformierten Dame angehalten und nach diesem Nachweis über die Entrichtung der Gebühr gefragt. Da wurde sich wohl wieder was Neues einfallen gelassen, um am Ende den paar Touristen nochmal schnell Geld abzuknöpfen, denn die Gebühr ist nur in bar und in Fremdwährung wie Euro oder Pfund zu bezahlen. Das nenne ich staatliche Abzocke, denn so nimmt man noch ein paar Devisen ein.

Ohne Bezahlung darf man nicht zur Ausreise. Zum Glück haben wir noch Euros einstecken. Wieder am Sicherheitscheck werden wir von einem Beamten in estnischer Polizeiuniform kontrolliert. Sehr skurril aber immerhin auch eine Art Altkleiderwiederverwertung. Professionell wirkt das Auftreten der Angestellten hier so allerdings nicht. Wir haben noch viel Zeit und warten dann im Außenbereich des Flughafens auf die Ankunft des Fliegers aus Portugal. Dort sitzen auch die Orgs. Sie fliegen mit uns nach Lissabon und von dort weiter nach Berlin, während unser Anschlußflug dann nach Frankfurt geht. Irgendwann kommt die Maschine, wird umgedreht und mitten in der Nacht um 2:05 Uhr können wir fast pünktlich los. Die Uhrzeit sorgt auch dafür, daß wir im Flugzeug etwas schlafen können. In Lissabon angekommen, ist Eile angesagt, denn der Anschlußflug ist relativ knapp.

Dort ist aber die Hölle los und eine riesige Schlange in der Halle bei der Einreise nach Europa. Danach Riesenandrang bei den Anschlußflügen. Irgendwann werden wir aus der Schlange herausgeholt, um an allen vorbei unseren Flug nicht zu gefährden. Die Orgs haben ihren nach Berlin trotzdem verpaßt. Hundemüde sitzen wir dann drin. Ein A319. Ich kann die Lehne nicht verstellen, habe keine gescheite Kopfstütze und kann fast gar nicht schlafen. Die Gambierin neben mir muß noch weiter nach Helsinki. Nach ewigen drei Stunden landen wir endlich in Frankfurt. Wir essen noch beim KFC, denn Patrick der uns abholt, kommt etwas später. Das Gepäck ist komplett da und somit können wir los. Noch 30 Minuten Fahrt und dann endet dieser Trip. Das Betreten einer anderen Welt beim Aufschließen der Haustüre ist seltsam. Sabrina ist noch eine Woche in Thailand. Ich räume die Taschen aus, fertig. Das war es. Unfaßbare vier Wochen gehen zu Ende. Ich bin dankbar um das Erlebte!                               

 
 
 

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